Die Ostsee hat derzeit so wenig Wasser wie seit Beginn der Pegelmessungen 1886 nicht mehr. Am schwedischen Referenzpegel Landsort-Norra lag der Wasserstand Anfang Februar 2026 rund 67 cm unter dem langjährigen Mittel – ein absoluter Tiefstwert. Insgesamt fehlen etwa 275 bis 390 Milliarden Kubikmeter Wasser. Ursache ist eine anhaltende starke Ostwindlage seit Jahresbeginn, die Oberflächenwasser in Richtung Nordsee drückt.
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) sehen in dem Phänomen paradoxerweise eine Chance: Sinkt der Pegel stark genug, begünstigt das einen massiven Salzwassereinbruch aus der Nordsee. Das salz- und sauerstoffreiche Wasser könnte in die Tiefen strömen und die riesigen sauerstoffarmen Todeszonen (über 60.000 km²) zumindest teilweise „beatmen“ – eine Art Frischzellenkur für das Binnenmeer.Gleichzeitig kämpft die Ostsee weiter mit massivem Nährstoffeintrag und Klimawandelfolgen: Wärmeres Wasser, Blaualgenblüten und Fischsterben setzen den Beständen von Hering, Dorsch & Co. zu. Experten hoffen nun auf drehende Westwinde – und mahnen langfristig strengeren Gewässerschutz an.