Mehr Bartgeier für die Zentralschweiz
Am Pfingstmontag wildert die Stiftung Pro Bartgeier zwei Junggeier im Wildtierschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt (OW) aus.

Damit startet sie eine neue fünfjährige Etappe im Projekt zur Wiederansiedlung der Bartgeier in den Alpen. Mit ausgewählten Tieren will die Stiftung die genetische Vielfalt der kleinen Population erhöhen und Inzuchtrisiken vorbeugen.

Der Wildbestand des Bartgeiers in den Alpen wächst langsam an. In der Schweiz gibt es inzwischen 35 erfolgreich brütende Brutpaare. Eine aktuelle Analyse zeigt jedoch, dass die genetische Vielfalt noch zu gering ist. „Eine hohe genetische Vielfalt ist entscheidend, damit sich Arten an veränderte Umweltbedingungen anpassen können und nicht durch Inzucht geschwächt werden“, erklärt Daniel Hegglin, Geschäftsführer der Stiftung Pro Bartgeier. Deshalb startet die Stiftung nun eine neue fünfjährige Phase mit gezielten Auswilderungen in Obwalden.

Die beiden diesjährigen Jungvögel stammen aus der österreichischen Eulen- und Greifvogelstation Haringsee und dem spanischen Wildtierzentrum Vallcalent, zwei spezialisierten Zuchtstationen. Die Jungtiere wurden nach genetischen Kriterien ausgewählt und entstammen Zuchtlinien, die im Wildbestand selten vertreten sind.

Nach dem Transport in die Schweiz können sich die Jungvögel im Natur- und Tierpark Goldau in einer geschützten Voliere einige Tage eingewöhnen, bevor sie zum Auswilderungsstandort transportiert werden. In Goldau erhalten die Jungtiere auch einen kleinen GPS-Logger, so dass das Projektteam die Junggeier gut überwachen kann, nachdem diese ausgeflogen sind. Der in Goldau geschlüpfte Jungvogel bleibt vorerst im Park, der das internationale Zuchtprogramm seit vielen Jahren mit Fachwissen, Infrastruktur und eigener Bartgeierzucht unterstützt.

Nachdem der Bartgeier zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Alpen ausgerottet worden war, startete im Jahr 1986 das Projekt zu seiner Wiederansiedlung. Seitdem wurden alpenweit 264 Junggeier ausgewildert, davon 56 in der Schweiz, wo das Projekt 1991 im Schweizerischen Nationalpark startete. Seit 2015 erfolgen Auswilderungen im Eidgenössischen Jagdschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt. Bereits 18 Jungtiere konnte die Stiftung pro Bartgeier hier mit grosser Unterstützung aus der Region auswildern.