Der Erde droht das grösste Massenaussterben seit dem Ende der Dinosaurier – verursacht durch menschliches Wirtschaften. Ab heute trifft sich die internationale Staatengemeinschaft für zwölf Tage zur Weltnaturkonferenz COP 17 in Eriwan, Armenien. Unter dem Motto «Handeln für die Natur» soll über den rasanten Schwund von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen beraten werden.
Der Weltbiodiversitätsrat IPBES warnt: Bis zu einer Million Arten könnten in diesem Jahrhundert aussterben, wenn nichts geschieht – etwa jede achte Art. Beispiele sind allgegenwärtig: Der Feldhamster gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht, der Ackerrittersporn steht bundesweit auf der Roten Liste und wurde zur Blume des Jahres 2026 gekürt. Seit 1970 sind die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien laut WWF Living Planet Report im Schnitt um 73 Prozent zurückgegangen.
Ökologen sprechen vom «Shifting Baseline Syndrome»: Weil der Verlust schleichend verläuft, erscheint der heutige Zustand als normal. Viele erinnern sich nicht mehr an die einst dichten Schmetterlingsschwärme auf Wiesen.
Vor vier Jahren in Montreal vereinbarten die Staaten einen Masterplan: 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030 schützen und 500 Milliarden US-Dollar naturzerstörerische Subventionen abbauen. Die Umsetzung bleibt jedoch mangelhaft – auch in Deutschland. In FFH-Gebieten befinden sich nur vier Prozent der Arten und sechs Prozent der Lebensräume in günstigem Zustand. Das Ziel, zwei Prozent der Landesfläche als unberührte Wildnis auszuweisen, wurde mit 0,6 Prozent klar verfehlt.
Auf der COP 17 in Eriwan, an der 195 Staaten und die EU teilnehmen, geht es um Fortschritte, Finanzierung und mehr politischen Willen. Experten sind sich einig: Natur lasse sich retten – wenn der Wille vorhanden ist.