Gab es den angeblichen iranischen Angriff auf den britischen Stützpunkt Diego Garcia tatsächlich?
Und ist die Bedrohung von Europas Hauptstädten durch iranische Raketen real?

Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte gegenüber Al Jazeera, dass der Iran den britischen Militärstützpunkt Diego Garcia nicht angegriffen habe. Bislang galt es als technisch kaum möglich, dass iranische Raketen Entfernungen von über 2000 Kilometern überwinden können. Diego Garcia liegt jedoch rund 3800 Kilometer vom Iran entfernt.

Offizielle Bestätigungen eines Angriffs bleiben aus: Weder das britische Verteidigungsministerium noch das US-Militär haben entsprechende Vorfälle bestätigt. Auffällig ist jedoch der zeitliche Zusammenhang mit politischen Entscheidungen in London. Die Berichte tauchten genau zu dem Zeitpunkt auf, als Großbritannien darüber beriet, die militärische Kooperation mit den USA im Konflikt mit dem Iran auszuweiten.

Am Morgen des 20. März veröffentlichten sowohl das Wall Street Journal als auch CNN Meldungen unter Berufung auf anonyme US-Beamte. Demnach seien zwei ballistische Raketen in Richtung Diego Garcia abgefeuert worden. Eine habe ihr Ziel verfehlt, die andere sei von einem US-Kriegsschiff abgefangen worden.

Al Jazeera ordnete diese Berichte in einen größeren Kontext ein. Der Experte Muhanad Seloom vom Doha Institute for Graduate Studies wies darauf hin, dass ein solcher Angriff auf eine bislang nicht bekannte Reichweite iranischer Raketen hindeuten würde: „Diese Raketen auf Diego Garcia bedeuten, dass der Iran über ballistische Raketen mit einer Reichweite von mehr als 4000 km verfügt … Wenn man die Flugrichtung umkehrt, könnten sie London erreichen.“ Dies würde die strategische Lage grundlegend verändern – nicht nur für die USA, sondern auch für Europa.

Auch aus Israel kamen entsprechende Warnungen. Generalstabschef Eyal Zamir erklärte, die Reichweite dieser Raketen reiche weit über Israel hinaus: „Berlin, Paris und Rom liegen alle in direkter Reichweite.“

Das iranische Außenministerium dementierte offiziell, dass es hinter den Raketenangriffen auf die Insel im Indischen Ozean stecke. Der Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte in einer Stellungnahme auf X, die Raketenstarts seien eine „False-Flag“-Operation gewesen – und deutete an, dass Israel dahinterstecken könnte.

Anfang dieses Monats wies der iranische Außenminister Abbas Araghchi in einem Interview mit dem US-Sender NBC die Behauptung von US-Präsident Donald Trump zurück, Teheran habe Raketen entwickelt, die das US-Territorium erreichen könnten.
„Wissen Sie, wir sind in der Lage, Raketen herzustellen, aber wir haben uns bewusst auf eine Reichweite von unter 2.000 km beschränkt, weil wir von niemandem sonst auf der Welt als Bedrohung wahrgenommen werden wollen“, sagte Araghchi am 8. März.