Gates-Stiftung prägt WHO-Politik stark
Impfungen priorisiert – sauberes Wasser vernachlässigt

Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung (seit 2025 nur noch Gates-Stiftung) hat die WHO zwischen 2010 und 2023 mit über 5,5 Milliarden Dollar unterstützt. Das entspricht 9,5 Prozent des Gesamtbudgets. Eine Studie der Queen-Mary-Universität London zeigt, dass dieses Sponsoring die Gesundheitspolitik der WHO massgeblich beeinflusst.

Früher deckten die ordentlichen Beiträge der Mitgliedstaaten drei Viertel des Budgets. Heute machen sie nur noch rund zehn Prozent aus. Die restlichen Mittel sind oft «earmarked» – also zweckgebunden. Die Gates-Stiftung ist dabei einer der grössten privaten Geldgeber.

Von den 5,5 Milliarden flossen 82,6 Prozent in die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, davon 3,2 Milliarden (58,9 Prozent) allein in die Ausrottung der Kinderlähmung. Impfprogramme standen klar im Vordergrund. Für sauberes Wasser und sanitäre Anlagen stellte die Stiftung von 2000 bis 2024 hingegen nur 11,8 Millionen Dollar bereit – gerade 0,2 Prozent ihrer WHO-Zuschüsse.

Dabei wird Polio vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Die Autoren sprechen von «Philanthrokapitalismus»: Technische, kurzfristig messbare Lösungen werden bevorzugt, strukturelle Massnahmen wie Wasserversorgung oder der Aufbau robuster Gesundheitssysteme bleiben unterfinanziert. Die Studie fordert die Mitgliedstaaten auf, den Einfluss privater Geldgeber stärker zu begrenzen.