Brasilien vor der Wahl: Skandale erschüttern Bolsonaro und Lula
Oberstes Gericht in schwerer Krise

Vor der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober durchlebt Brasilien erneut chaotische Zeiten. Zwei Skandale belasten die Lager von Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Herausforderer Flávio Bolsonaro, dem ältesten Sohn des Ex-Präsidenten.

Im Zentrum steht der Master-Bank-Skandal. Banker Daniel Vorcaro soll mit betrügerischen Geschäften Anlegern Milliardenverluste beschert haben. Brisant sind seine Verbindungen zu Politikern und Obersten Richtern, besonders zu Alexandre de Moraes. Es geht um millionenschwere Aufträge für die Kanzlei von de Moraes’ Frau und mögliche Zahlungen für Gefälligkeiten.

Bundesrichter André Mendonça, einst von Jair Bolsonaro nominiert, veröffentlichte brisante Akten mit kompromittierenden Nachrichten. Andere Richter werfen ihm vor, selektiv vorgegangen zu sein und politischen Einfluss nehmen zu wollen. Die Sitzung des Obersten Gerichtshofs endete ergebnislos; Medien sprechen von der «schwersten Krise in der Geschichte des höchsten Gerichts».

Flávio Bolsonaro soll von Vorcaro umgerechnet rund zehn Millionen Euro für einen Film über seinen Vater erhalten haben. Er spricht von einer privaten Spende. Gleichzeitig laufen Ermittlungen gegen Lulas Sohn Fábio Luís wegen möglicher Korruption. Flávio Bolsonaro versucht, de Moraes mit der Lula-Regierung zu verknüpfen und rief: «Wer für Lula stimmt, stimmt für Alexandre de Moraes.»

Die Situation erinnert an 2018 und den Petrobras-Skandal, der Jair Bolsonaros Aufstieg begünstigte. Mehr als über Programme wird über Skandale gesprochen. Eine Richterin entschuldigte sich bereits bei der Bevölkerung für das Schauspiel.