Erinnern und verstehen: deutschlandweiter Gedenktag für die Opfer der Corona-Zeit
Auf Initiative des Zentrums für Aufarbeitung, Aufklärung, juristische Verfolgung und Verhinderung (ZAAVV) soll am 22. März erstmals ein dezentraler deutschlandweiter Gedenktag für die Leidtragenden der Corona-Zeit begangen werden.
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Der neu initiierte Gedenktag versteht sich als offener, dezentraler und freiwilliger Moment des Innehaltens – für all jene, die in dieser Zeit Verluste, Einsamkeit, Ausgrenzung, Krankheit oder seelische Verletzungen erfahren haben.

Der Gedenktag verzichtet bewusst auf zentrale Inszenierung, staatliche Organisation oder politische Vorgaben. Er entsteht aus der Gesellschaft heraus und richtet sich an Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen.

Ziel ist es nicht, Maßnahmen zu bewerten oder Schuld zuzuschreiben, sondern Raum für Erinnerung und Anerkennung zu schaffen.

Warum der 22. März?

Der 22. März 2020 markiert den ersten bundesweiten Lockdown in Deutschland. Das Datum steht für einen tiefen gesellschaftlichen Einschnitt. Die Bewertung der damaligen Maßnahmen bleibt offen – das gemeinsame Erinnern nicht.

Eine Lücke im kollektiven Erinnern

Während es für viele historische Krisen etablierte Formen des Gedenkens gibt, fehlt bislang ein gemeinsamer Ort für die sozialen und menschlichen Folgen der Corona-Zeit. Genau hier setzt der 22. März an. Eine Gesellschaft, die an diese existenzielle Krise nicht erinnert, läuft Gefahr, deren Auswirkungen zu verdrängen – mit langfristigen Folgen für Zusammenhalt und Vertrauen.

Erinnerung ohne Deutungshoheit

Der Gedenktag schreibt keine einheitliche Erzählung vor. Unterschiedliche Perspektiven dürfen nebeneinander bestehen, ohne sich gegenseitig auszuschließen. Erinnerung wird hier nicht als politisches Urteil verstanden, sondern als menschlicher Akt. Spaltung soll nicht vertieft, sondern entschärft werden – durch Zuhören und Anerkennung.

Inklusiv statt vergleichend

Wer als „Opfer“ gilt, wird nicht definiert oder hierarchisiert. Der Gedenktag verzichtet bewusst auf Vergleiche von Leid. Niemand muss sein Erleben rechtfertigen. Gerade Menschen, deren Erfahrungen bisher wenig sichtbar waren, sollen einen Platz finden. Denn Leid braucht keine Genehmigung, sondern Sichtbarkeit.

Freiwillig, selbstbestimmt, heilsam

Die Teilnahme ist freiwillig und kann ganz unterschiedlich aussehen – still, öffentlich, persönlich oder gemeinschaftlich. Studien und Erfahrungen zeigen: Nicht bearbeitetes Leid verschwindet nicht, sondern wirkt im Verborgenen weiter. Erinnerung kann helfen, Erlebtes zu verarbeiten und einzuordnen.

Schutz vor Instrumentalisierung

Durch seine dezentrale Struktur, fehlende Parteibindung und den Verzicht auf kommerzielle Nutzung bietet der Gedenktag keine Angriffsfläche für politische oder ideologische Vereinnahmung. Der Fokus bleibt auf den Menschen – nicht auf Machtfragen, Rechtfertigungen oder Schuld.

Gesellschaftlicher Mehrwert

Der Gedenktag fördert Austausch statt Schweigen und ermöglicht Lernprozesse ohne Zwang. Aufarbeitung beginnt dort, wo Menschen sich gehört fühlen.

Der Gedenktag will keine Urteile fällen, keine Geschichte umschreiben und niemanden anklagen. Er will anerkennen, was war – damit das, was war, nicht weiter trennt.
Und damit Brücken bauen.

Weitere Informationen: www.corona-gedenktag.de


Quelle: Pressemitteilung

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