In Japan formiert sich eine neu erstarkende Friedensbewegung gegen die zunehmende Militarisierung und die enge Anbindung an die USA. Am vergangenen Freitag versammelten sich allein vor dem Parlament in Tokio rund 10 000 vorwiegend junge Menschen. Gleichzeitig fanden landesweit an 150 Orten Demonstrationen statt, wie die «Asahi Shimbun» berichtete.
Die Protestierenden wenden sich gegen Aufrüstung, Waffenexporte und eine geplante Änderung der Friedensverfassung. Besonders im Fokus steht die Inselgruppe Okinawa. Obwohl sie nur 0,6 Prozent der japanischen Landesfläche ausmacht, beherbergt sie mehr als 70 Prozent der US-Militäranlagen im Land. Seit Jahrzehnten leisten die Bewohnerinnen und Bewohner Widerstand gegen Lärmbelastung durch Tiefflüge, Umweltschäden und immer wieder vorkommende Gewalttaten durch US-Soldaten.
Ein tragischer Unfall bei einer Protestaktion gegen die Verlegung des Stützpunkts Futenma nach Henoko forderte am 16. März zwei Todesopfer: eine 17-jährige Schülerin und einen 71-jährigen Kapitän. Der Protest beschränkt sich nicht mehr auf Okinawa. In Grossstädten wie Osaka und Nagoya schliessen sich Tausende an und fordern den Abzug der Basen. Historisch reicht der Widerstand bis in die 1950er-Jahre zurück. Viele Aktivistinnen und Aktivisten betrachten Okinawa bis heute als faktisch besetztes Gebiet. Die Zentralregierung in Tokio und die USA halten trotz wachsendem Unmut an ihren Plänen fest. Die Proteste verbinden konkrete lokale Anliegen mit der grundsätzlichen Kritik an der Militärstrategie im Indopazifik.