Proteste fordern: US-Truppen raus aus Jordanien
Hunderte Prominente fordern Abzug und Neutralität

Mehr als 600 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Jordanien verlangen den vollständigen Abzug aller ausländischen, vor allem US-amerikanischen Truppen. In einer Erklärung vom 22. Juli fordern Exminister, Parlamentsmitglieder, Professoren, Gewerkschafter und Vertreter linker Organisationen die Kündigung des 2021 geschlossenen Militärabkommens mit Washington. Dieses gewährt US-Streitkräften weitreichenden Zugang zu jordanischen Basen.

Anlass sind iranische Vergeltungsschläge auf Einrichtungen in Jordanien, darunter die Muwaffak-Salti-Luftwaffenbasis, bei denen drei US-Soldaten getötet wurden. Die Unterzeichner warnen, die ausländische Militärpräsenz setze das Land Sicherheits-, politischen und wirtschaftlichen Risiken aus und drohe, Jordanien in regionale Konflikte zu ziehen, an denen es nicht beteiligt sei.

Jordanien soll Flughäfen, Häfen und Militärbasen einen neutralen Status geben und eine Politik der echten Neutralität verfolgen. Das Königreich gilt als wichtiger US-Verbündeter und erhält umfangreiche Militär- und Wirtschaftshilfe; auch die Bundeswehr ist stationiert. Ein grosser Teil der Bevölkerung – viele mit palästinensischen Wurzeln – lehnt die US-Unterstützung für Israel ab. Die Regierung bestreitet die Existenz von US-Basen und spricht nur von Zusammenarbeit. Das erntet Spott. Die Erklärung gilt als bemerkenswert, da offene Kritik an der Aussenpolitik im Königreich selten ist.