Am 26. März 1985 führte die Türkei das System der vorübergehenden Dorfschützer als zeitlich begrenzte Sicherheitsmassnahme ein. 41 Jahre später besteht die bewaffnete Struktur weiterhin. Nach Angaben des Innenministeriums waren Ende Oktober 2025 noch 48’365 Dorfschützer im Dienst; die Zahl dürfte inzwischen bei rund 47’000 bis 48’000 liegen.
Das System sollte ursprünglich die militärischen Operationen gegen die PKK mit lokalen bewaffneten Kräften unterstützen. Es wurde rasch ausgebaut, erhielt staatliche Gehälter und wurde 2007 rechtlich weitgehend entfristet. Zwischen 1985 und 2009 waren insgesamt über 123’000 Menschen als Dorfschützer tätig.
Die Geschichte des Systems ist eng mit Menschenrechtsverletzungen verbunden. Der Menschenrechtsverein IHD dokumentierte zwischen 1990 und 2009 183 Todesfälle, 259 Verletzte, Dorfbrandstiftungen, Raub und Folter. Von 5’139 registrierten Straftaten zwischen 1985 und 2006 führten nur 264 zu Verurteilungen. Zudem spielte der Druck durch Dorfschützer eine zentrale Rolle bei der Vertreibung von Hunderttausenden bis Millionen Menschen aus kurdischen Dörfern.
Obwohl die PKK ihre bewaffnete Kampfphase beendet hat und ein gesetzlicher Friedensprozess läuft, enthält der Rahmen keine verbindliche Regelung zur Abschaffung des Dorfschützersystems. Menschenrechtsorganisationen fordern einen klaren Zeitplan, transparente Entwaffnung und Reintegration, strafrechtliche Aufarbeitung sowie die sichere Rückkehr der Vertriebenen. Ob diese Fragen in den weiteren Verhandlungen aufgegriffen werden, bleibt offen.