Wenn der Körper nicht mehr kann
Warum chronische Erschöpfung kein persönliches Versagen ist
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Warum reagiert mein Körper so – obwohl medizinisch «nichts Dramatisches» gefunden wird? Bild: Shutterstock

Viele Menschen kennen Phasen von Müdigkeit oder Erschöpfung. Doch es gibt Zustände, die darüber weit hinausgehen. Betroffene berichten, dass selbst einfache Alltagsaufgaben plötzlich Kraft kosten, Konzentration schwer fällt und der Körper scheinbar nicht mehr zuverlässig funktioniert.

Nicht selten entsteht dabei ein Gefühl von Verunsicherung: Warum reagiert mein Körper so – obwohl medizinisch «nichts Dramatisches» gefunden wird?

Diese Frage begleitet viele Menschen mit chronischer Erschöpfung oder anhaltenden Schmerzen über lange Zeit.

Wenn Erholung nicht mehr wirkt

Normalerweise reagiert der Körper auf Belastung mit Müdigkeit – und auf Ruhe mit Regeneration.
Bei chronischer Erschöpfung scheint dieser Mechanismus gestört. Schlaf bringt keine wirkliche Erholung. Pausen helfen nur begrenzt. Die Belastbarkeit schwankt stark.

Was oft übersehen wird: Der Zustand entsteht nicht nur durch zu wenig Energie, sondern häufig durch eine langfristige Überforderung des Nervensystems.

Das Nervensystem als Schutzmechanismus

Das menschliche Nervensystem hat eine zentrale Aufgabe: Sicherheit gewährleisten.
Wenn Anforderungen über längere Zeit zu hoch waren – körperlich, emotional oder mental – kann das System in einen Schutzmodus wechseln. Dabei werden Kapazitäten reduziert.

Betroffene erleben das als:

  • schnelle Erschöpfung
  • erhöhte Reizempfindlichkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • körperliche Symptome ohne klare Ursache

Aus biologischer Sicht handelt es sich jedoch nicht um «Schwäche», sondern um einen Schutzmechanismus: Der Körper versucht, weitere Überlastung zu verhindern.

Der Konflikt zwischen Kopf und Körper

Ein besonders belastender Faktor entsteht häufig durch den inneren Druck, wieder «funktionieren zu müssen». Viele Betroffene haben lange Zeit Verantwortung getragen, durchgehalten und ihre Grenzen ignoriert.
Wenn der Körper dann stoppt, entsteht ein Konflikt: Der Verstand will Leistung – der Körper verlangt Entlastung. Dieser innere Widerstand kostet zusätzliche Energie und verstärkt die Erschöpfung oft noch.

Stabilisierung statt Aktivierung

Moderne Erkenntnisse aus Stress- und Traumaforschung zeigen:
Bei chronischer Überlastung steht nicht Aktivierung im Vordergrund, sondern Stabilisierung.

Das bedeutet:

  • Reizreduktion
  • kleine, sichere Schritte
  • Aufbau von körperlichem Sicherheitsgefühl
  • Reduktion von Druck und Erwartungen

Erst wenn das Nervensystem wieder Sicherheit wahrnimmt, kann Energie langsam zurückkehren.

Heilung beginnt oft mit Entlastung

Für viele Menschen ist es entlastend zu verstehen, dass ihr Zustand kein persönliches Versagen ist.

Der Körper arbeitet nicht gegen sie – sondern versucht, sie zu schützen. Diese Perspektive verändert den Umgang mit Erschöpfung grundlegend: Statt Kampf entsteht Kooperation.

Und genau dort beginnt häufig der Weg zurück zu mehr Stabilität.

Dorothea Bautz-John

Dorothea Bautz-John
Dorothea Bautz-John

Dorothea Bautz-John begleitet Menschen mit chronischer Erschöpfung und anhaltenden körperlichen Belastungen. Ihre Arbeit richtet sich an Menschen, deren Körper über längere Zeit zu viel getragen hat – körperlich, emotional oder seelisch. Sie arbeitet in einer sanften, individuellen 1:1-Begleitung mit dem Fokus auf Stabilisierung, Entlastung des Nervensystems und innere Sicherheit. Ihre Begleitung versteht sich als ergänzende Unterstützung und ersetzt keine medizinische oder therapeutische Behandlung.

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