1974: Gründung des «Freien Pädagogischen Arbeitskreises» (FPA)
Bewegt durch die Reformbestrebungen der 70er Jahre, die lediglich einen «äusseren Umbau» der Schule anstrebten, suchte eine vorerst noch kleine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern im Kanton Zürich nach neuen Werten und Wegen für ihre Arbeit mit den Kindern.
In den Gründungsstatuten des FPA ist zu lesen: «Der FPA geht von der Voraussetzung aus, dass eine umfassende Menschenbildung (im Sinne Pestalozzis) für die Gestaltung der Zukunft von Bedeutung ist. Er strebt deshalb eine Vertiefung und Vermenschlichung des erzieherischen Wirkens in Schule und Elternhaus an.»
Die Initianten befürchteten damals, dass die Schule mehr und mehr in den Schlepptau der Wirtschaft geraten könnte. Im Mittelpunkt aller Bemühungen um Bildung und Erziehung – so ihre Überzeugung – muss aber das Kind stehen. Eine übermässige und dann noch verfrüht einsetzende Verintellektualisierung der Schule beeinträchtigt das Gedeihen der Kinder nachhaltig. Eine Aufwertung des handwerklich-künstlerischen Bereichs schien ihr überfällig.
2008 schrieb ich Daniel Wirz, meinem Vorgänger und früheren Partner in der Vereinsleitung: «Wir sind nicht blutsverwandt, wohl aber seelenverwandt». Was ich von Daniel auf der Homepage des «Freien Pädagogischen Arbeitskreises» (Vereinsname 1974-2019) las, entsprach mir sehr. Da gab es einen älteren Gleichgesinnten, der mir, mit dem was er über Schule und Erziehung schrieb, aus dem Herzen sprach. Bald darauf trafen wir uns das erste Mal, und er nahm mich mit an die nächste Vorstandssitzung.
Dort wurde beschlossen, dass ich Daniel bei der Organisation der Kurse und Verfassen der Kurshefte und Newsletter künftig unterstützen sollte. Damals leistete Daniel diese Arbeit, die früher verschiedene «Arbeitskreise» ehrenamtlich gemacht hatten, bereits seit einigen Jahren gegen ein kleines Honorar.
Ab 2009 wurden wir ein Team, führten den Verein bis 2018 zu zweit und ergänzten uns sehr gut. Schritt für Schritt übernahm ich mehr Aufgaben, Daniel weniger, bis ich den Verein dann schlussendlich alleine weiterführte.
«Eine ganzheitliche Menschenbildung muss sich an den Entwicklungsbedürfnissen, der gegebenen Individualität und den Schicksalen der Kinder orientieren. Das kann nur gelingen wenn wir mit ihnen in Beziehung treten und dies auch bleiben, wenn sie uns herausfordern.
Dazu möchte ich Dich und Viele mehr inspirieren. Das habe ich mir zur Aufgabe gemacht und bleibt das zentrale Anliegen der Vereinsaktivitäten.
Wenn wir den Kindern den nötigen Boden bereiten, können sie sich darin verwurzeln, gesund entwickeln und die Früchte unseres Tuns wiederum ihren Kindern weitergeben – dafür steht unser Name und unser Logo.
Kindern wirklich zu begegnen heisst: Wir wenden uns ihnen zu. Wir sind offline. Wir lernen, den Kochherd einfach nochmal auszuschalten, Schularbeiten oder Verpflichtungen können warten. Warten, bis das Kind sich von uns wahrgenommen fühlt und seine primäreren Bedürfnisse erfüllt sind – dann kann alles Weitere gelingen. Täglich und in jeder Situation müssten nicht die Kinder verstehen warum es jetzt nicht passt, sondern sollten wir die nötige Zeit für soviel Zuwendung haben, bis sich die Kinder verstanden und gesehen fühlen. Wir geben so den Kindern Grundvertrauen, Orientierung und Sicherheit mit auf den Weg. Was könnte wichtiger sein?
MenschenBildung setzt sich mit allen Kräften dafür ein, dass wir die Kinder nicht an Bildschirmen verkümmern lassen, sondern die Verantwortung dafür übernehmen sie zu ganzen Menschen zu bilden - im Sinne der grossen Pädagogen Pestalozzi, Steiner, Montessori und Anderen. Ob uns die gelingt steht und fällt damit, dass wir täglich die Herausforderung annehmen, Kindern wirklich zu begegnen.
Dazu braucht es Bewusstseinsbildung, Wissen über kindliche Entwicklung und Inspiration. Das will MenschenBildung Eltern, pädagogisch Tätigen und unserer Gesellschaft vermitteln.»
Lange druckten wir vier Kurshefte pro Jahr, von 25 ausgeschriebenen Kursen konnten in der Regel ca. 20 mit einer guten Teilnehmerschar stattfinden. Vor meiner Zeit gab es eine gut besuchte Herbstkurswoche und den Jahreskurs zur Pädagogik Rudolf Steiners. Später kam der Kurs «Erziehungsbegleitung frühe Kindheit», ein Ausbildungsgang für angehende SpielgruppenleiterInnen, dazu.
Wir hatten 750 (zahlende) Vereinsmitglieder und Gönner. Das war eine finanzielle Basis, die wir ausbauen wollten, um unsere Aktivitäten zu erweitern und finanziell besser über die Runden zu kommen. 1000 Mitglieder war das Ziel, das wir uns setzten.
Mit «Schulveränderung jetzt!» wollten wir 2013 mit einer modularen Weiterbildung ein Zeichen setzen, dass die Zeit reif ist für einen grundsätzlichen Wandel. Obwohl die Referenten hochkarätig waren, gab es dafür nur drei (!) Anmeldungen, so dass dieser Impuls nicht zustande kam.
Wir hatten eine Vielfalt von, teils renommierten, engagierten und inspirierenden ReferentInnen im Programm, die uns über lange Jahre die Treue hielten. Zu Erziehungs- und Unterrichtsthemen, freiem Spiel, Embryologie, Hirnforschung, Rhythmusspiele oder Märchen-erzählen. Mit Remo Largo und Ulrike Kegler, Hartmut von Hentig, Henning Köhler oder Otto Herz füllten wir Säle. Ein Kurstag mit 80 Personen bescherte uns einen Gewinn, der Defizite von mehreren Kursen mit kleinen Gruppen kompensieren konnte.
Ich selber und viele TeilnehmerInnen schätzten speziell diese kleineren Tagesseminare, an denen man intensiven Austausch mit Gleichgesinnten und viel Raum für persönliche Anliegen aus der eigenen Berufspraxis hatte.
Doch ist es uns leider nicht gelungen, unseren Mitgliederbestand zu vergrössern und diesen Weg erfolgreich weiter zu führen. Im Gegenteil, wir schrumpften von Jahr zu Jahr, so dass es aktuell noch 300 Mitglieder und GönnerInnen sind. Gleichzeitig gingen auch die Kursbesuche stetig zurück, immer mehr Veranstaltungen kamen gar nicht mehr zustande.
Was hält eine Mehrheit der Gesellschaft davon ab, sich Visionen wie der Unsrigen, die seit 60 Jahren im Wesentlichen dieselbe ist, anzuschliessen ?
Sind einfach die Kräfte der Wirtschaft, der Digitalisierung und einem leistungsorientierten Bildungssystem zu stark, als dass eine am Kind orientierte Pädagogik mehr Chancen hat?
Oder sind zu unseren Anliegen in den letzten Jahren so viele andere Initiativen und Netzwerke entstanden, die interessierte Kreise besser erreichen als wir?
Seit Jahren versuche ich, auf diese Fragen Antworten zu finden.
2019 habe ich schlussendlich beschlossen, mich dieser Entwicklung zu fügen, die Aktivitäten reduziert, auf gedruckte Kurshefte verzichtet, mein Honorar gekürzt, den Vereinsnamen und sein Erscheinungsbild erneuert. Um die Essenz ging es mir, im Kleinen meinen Anliegen treu zu bleiben, unabhängig davon, wie viele Leute ich damit erreichen konnte. Diese Schlankheitskur hat mir und euch noch einmal sechs Jahre geschenkt, in denen es spannende Kurse, aber auch immer mehr Kursabsagen gab.
Wenn mehr Kurse abgesagt werden müssen, als stattfinden können, stimmt das Ganze definitiv nicht mehr. So ist für mich nun der Zeitpunkt gekommen, diese Arbeit zu beenden. Auf den nächsten Frühling hin, an der Mitgliederversammlung vom 1. April, werden wir den Verein auflösen.
Für 2026 gibt es kein Kursprogramm mehr. Aus finanziellen Gründen versenden wir diese Informationen nur den Mitgliedern per Briefpost, zusammen mit der Spendenbestätigung fürs 2025.
Ich selber engagiere mich auch in Zukunft für das aus meiner Sicht Wichtigste: Die Kinder. Ich beschäftige mich aber künftig nicht mehr im Büro mit kindgerechter Pädagogik, Fachliteratur, dem Verfassen von Texten und der Organisation von Kursen, sondern arbeite wieder direkt mit Kindern und Jugendlichen - aktuell in einem Sonderschulheim in meiner Nähe. Dabei kommt mir alles, was ich seit 2009 gehört, gesehen, gelesen und gelernt habe, zugute. Dafür bin ich sehr dankbar.
Vielen, vielen Dank allen, die uns bisher, teilweise jahrzehntelang, als Mitglieder oder Gönner unterstützten! Ihr habt alles was war ermöglicht !
Mitglieder- und Gönnerbeiträge werden jetzt nicht mehr fällig. Trotzdem bin ich froh für alle, die uns noch einmal eine Spende zukommen lassen. Vielleicht als Wertschätzung/Dankeschön für das Engagement von vielen Menschen für einen anderen Blick auf unsere Kinder, Erziehung und Schule in den letzten 61 Jahren?
Eure Beiträge werden verwendet für:
- Das Bezahlen aller Rechnungen die noch anfallen bis Ende März.
- Versandkosten der Spendenbestätigungen 2025.
- Ein kleines Honorar für die Buchhalterin
- Und falls möglich: Honorar für alle Abschlussarbeiten von mir.
Es würde mich freuen, wenn wir uns an der letzten Mitgliederversammlung nicht mit einem Defizit beschäftigen müssten. Falls es einen finanziellen Überschuss gäbe, würden wir ihn denjenigen kindgerechten Schulen spenden, mit denen wir in den letzten Jahren intensiv zusammengearbeitet haben.
Alle Spenden und Beiträge bitte auf das nachfolgende Konto überweisen:
MenschenBildung – Kindern begegnen, Blümlimattweg 23, 3600 Thun
CH31 0900 0000 8766 0517 5
Mitgliederversammlung 2026 / Vereinsauflösung
Mittwoch, 1. April 2026, um 19:00 Uhr in Thun
Anmeldung bis 25. März: 033 534 31 34 oder [email protected]