Aus EU-Sicht ist der Fall klar: Die “europäische Geschlossenheit” habe verhindert, dass Trump sich Grönland wie geplant einverleibt hat. So hat es auch Kanzler Merz in einer Regierungserklärung dargestellt. Doch beim letzten Treffen der EU-Aussenminister in Brüssel waren andere Töne zu hören.
Trumps Kehrtwende sei nicht nur auf die Gegenwehr der EU zurückzuführen, sagte ein Diplomat. Der Einsatz von Nato-Generalsekretär Rutte habe ebenso eine Rolle gespielt wie die Nervosität der Märkte. Die Anleger haben begonnen, US-Staatsanleihen abzustoßen, der Dollar hat deutlich nachgegeben.
Diese beiden Aspekte haben jedoch nichts mit der EU zu tun. Bei ihrem Sondergipfel zur Grönland-Krise letzte Woche wussten die EU-Chefs nicht einmal, was Rutte eigentlich versprochen hat! Vor allem aber gab es keine “europäische Geschlossenheit”.
So ist Finnland ausgeschert. Helsinki habe vor einer “Scheidung” mit den USA gewarnt und die EU gebremst, schreibt “Politico”. Die meisten anderen EU-Staaten waren ebenfalls eher ängstlich. Nur acht Staaten haben Soldaten nach Grönland geschickt. Nur ein Staat – Frankreich – hat laut gefordert, Trump die “Folterwerkzeuge” der EU zu zeigen. Deutschland machte sofort einen Rückzieher und versicherte, die Bundeswehr-Soldaten in Grönland sollten nicht vor den USA schützen, sondern vor Russland oder China!