Wie man die Generation Z manipuliert
Während ein Dutzend Staaten bereits – teilweise erfolgreich – mit Demonstrationen der Generation Z konfrontiert waren, bieten die jüngsten Proteste in Frankreich eine Gelegenheit, die Bevölkerung zu manipulieren. Die offenbar geplanten Zerstörungen scheinen eine Art Ausnahmezustand vorzubereiten, der es ermöglichen würde, die Präsidentschaftswahlen auszusetzen, wie dies in der Ukraine seit zwei Jahren der Fall ist.
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Der Präsident der Republik verkündet am 18. Oktober, dass es keine Wahlen geben werde, wenn die Ordnung nicht wiederhergestellt werde.

In diesem Artikel werde ich ein Dutzend Demonstrationen der «Generation Z», also der 14- bis 29-Jährigen, untersuchen, unabhängig davon, ob sie organisiert oder unorganisiert waren. Auch wenn viele Protestbewegungen, an denen sie teilgenommen hat, in anderen Staaten stattfanden, hat die Generation Z stets Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch vor allen anderen Ungerechtigkeiten angeprangert.

Ich werde mir immer vor Augen halten, dass man eine Menschenmenge zwar nicht zum Zorn reizen kann, es aber sehr leicht ist, sie von ihrem ursprünglichen Ziel abzubringen. Diese Demonstrationen beginnen also immer im allgemeinen Interesse, können aber auf dem Weg dorthin vom Kurs abkommen.

Ein erstes Merkmal dieser Bewegungen ist, dass sie alle nach Korruptions- oder Repressionsskandalen ausgebrochen sind. Die Demonstranten haben sich nicht auf eine bestimmte politische Ideologie berufen, sondern vor allem ihre Forderung nach Gerechtigkeit zum Ausdruck gebracht.

• Mongolei: Am 11. Januar 2025 demonstrieren junge Menschen in Ulan Bator gegen den Lebensstil der Familie von Premierminister Luvsannamsrai Oyun-Erdene. Die Bewegung prangert bald darauf die Korruption in der gesamten politischen Klasse an und fordert den Rücktritt von 33 Abgeordneten. Letztendlich tritt der Premierminister am 3. Juni zurück.

• Indonesien: Im Februar 2025 kam es auf Java zu Protesten gegen die Korruption. Diese wurden von einer Studentenvereinigung angeheizt, als die Regierung die Universitäten in Bergbauprojekte einbezog – im Gegenzug für kostenlose Mahlzeiten für alle Studierenden.

Die Proteste schwelten daraufhin fast überall im Land, während die Regierung dem Militär erhebliche Vergünstigungen gewährte und die «Umsiedlung» der Bewohner von Gaza unterstützte, indem sie deren mögliche Umsiedlung in den «grössten muslimischen Staat der Welt» ankündigte. Im August kam es auf den Appell der Lkw-Fahrer hin erneut zu Demonstrationen gegen erhebliche Steuererhöhungen.

Zu diesem Zeitpunkt tauchte die Piratenflagge der Strohhut-Bande aus dem Manga «One Piece» auf. Sie war das Symbol des Kampfes gegen die Korruption. Das Schwenken dieser Flagge wurde als Hochverrat strafrechtlich verfolgt. Schliesslich erkannte Präsident Prabowo Subianto an, dass die Jugend das Recht habe zu demonstrieren, und hob die Sanktionen gegen die Piratenflagge auf.

• Togo: Am 26. Juni 2025 kam es zu Demonstrationen, nachdem der Rapper Aamron von der Polizei festgenommen und gefoltert worden war. Die Proteste nahmen sofort eine politische Wendung, da seine lang andauernde Folter von den Polizisten gefilmt worden war und Präsident Faure Gnassingbé gerade dabei war, durch eine Verfassungsreform das politische System zu verändern. Die Bewegung hielt bis Dezember an. Angesichts der äusserst gewaltsamen, oft tödlichen Repressionen verlor sie an Schwung.

• Nepal: Vom 8. bis 14. September 2025 demonstrieren junge Menschen in Kathmandu gegen die Kinder und Angehörigen von Politikern, die in den sozialen Netzwerken mit ihrem luxuriösen Lebensstil prahlen. Die Regierung reagiert darauf mit einer Sperrung der sozialen Netzwerke, doch diese Massnahme hat den gegenteiligen Effekt. Letztendlich muss Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli zurücktreten.

• Osttimor: Vom 15. bis 17. September demonstrierte eine Studentenvereinigung in Dili gegen die den Abgeordneten gewährten wirtschaftlichen Vergünstigungen. Letztendlich mussten diese auf die von ihnen bestellten Luxusautos verzichten.

• Philippinen: Am 21. September 2025 demonstrierten 100.000 junge Menschen in Manila gegen die Korruption der herrschenden Clans, der Marcos und der Duterte. 70 % der für den Hochwasserschutz bestimmten Mittel sollen verschwunden sein.

• Madagaskar: Im September 2025 brechen in Madagaskar Demonstrationen gegen die ungleiche Verteilung des Wirtschaftswachstums aus, nachdem Präsident Andry Rajoelina in einer unglücklichen Rede wirtschaftliche Fortschritte gelobt hatte, die die Bevölkerung nicht wahrnimmt. Die sich ausweitenden Demonstrationen führen zu einem Militärputsch und zur Flucht von Präsident Andry Rajoelina.

Marokko: Am 27. September 2025 demonstrieren 200.000 junge Menschen in den grossen marokkanischen Städten unter chaotischen Umständen gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Die Proteste beginnen zu einem Zeitpunkt, an dem der Staat erhebliche Summen in die Vorbereitung der Fussball-Weltmeisterschaft steckt, während die Krankenhäuser verfallen. Die Bewegung wird durch das harte Vorgehen der Behörden zum Erliegen gebracht.

• Paraguay: Am 28. September 2025 begannen Demonstrationen junger Menschen, um gegen Korruption und einen Versuch zu protestieren, die Verfassung so zu ändern, dass der ehemalige Präsident, der Mafioso Horacio Cartes, wieder an die Macht kommen könnte. Die indigenen Völker schlossen sich der Generation Z an, als sie erfuhren, dass das Büro des Instituto Paraguayo del Indígena (INDI) in einen Militärstützpunkt verlegt werden sollte. Die Bewegung endete am 3. Oktober, nachdem Präsident Santiago Peña diese Entscheidung rückgängig gemacht hatte.

• Mexiko: Am 15. November 2025 demonstrierten nach der Ermordung eines Bürgermeisters durch ein Kartell Zehntausende junger Menschen für ihre Sicherheit und gegen Korruption. Die Demonstrationen endeten Mitte Dezember, ohne dass eine Lösung gefunden wurde.

• Bulgarien: Am 26. November 2025 kam es zu Demonstrationen junger Menschen gegen den Haushaltsentwurf, der die Finanzierung der Renten und der Sozialversicherung von den Unternehmen auf die Steuerzahler verlagern sollte, sowie gegen die Korruption. Sie endeten erst einen Monat später, nach dem Rücktritt der Regierung Zheliazkov und der Rücknahme der Reform.

• Japan: Am 3. Mai 2025 demonstrierten 50.000 junge Menschen gegen die Remilitarisierung ihres Landes und setzten dabei Leuchtstäbe ein, wie man sie von K-Pop-Konzerten und beim Versuch der Verhängung des Kriegsrechts in Südkorea kennt. Die Demonstrationen breiteten sich bald im ganzen Land aus und endeten schliesslich aus Erschöpfung.

Indien: 15. Mai 2026: Der Präsident des Obersten Gerichtshofs vergleicht arbeitslose Jugendliche mit Kakerlaken. Daraufhin gründet ein junger Kommunikationsstudent die «Partei des Kakerlakenvolkes». Er organisiert Demonstrationen, bis der Bildungsminister zurücktritt. Die Bewegung gewinnt im Oktober mit dem Protest gegen die Reform der Wählerverzeichnisse, deren Verfahren die ärmsten Inder ausschliesst, neuen Schwung. Sie dauert bis heute an, trotz der Inhaftierung ihres Anführers [1].

DIE DEMONSTRATION AM 17. OKTOBER IN FRANKREICH

Ab dem 18. September 2026 demonstrieren Gymnasiasten zunächst in Créteil, dann in der gesamten Île-de-France und schliesslich im ganzen Land gegen ihre Bildungsbedingungen. Bald schliessen sich ihnen die Studenten an. Und wenig später auch die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes.

Die ersten Demonstrationen verlaufen friedlich, doch es wird zunehmend von Ausschreitungen berichtet, als linke Politiker erklären, Gewalt sei legitim. Daraufhin schliessen sich Randalierer den Schülern und Studenten an und richten in den Schulen und Universitäten erheblichen Sachschaden an. Die Polizisten stellen daraufhin ihre Führung in Frage: Sie erhalten nämlich widersprüchliche Befehle, die es ihnen nicht ermöglichen, die Demonstranten vor den Randalierern zu schützen.

Für den 17. Oktober sind landesweite Demonstrationen angekündigt. Die «Gelbwesten», also die informelle Bewegung von 2018–2019 gegen die Kraftstoffpreise und für die Randgebiete Frankreichs, schliessen sich der Bewegung an. Ihr Ziel ist es, gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu kämpfen.

Die für ihre präzisen Schätzungen bekannte örtliche Polizei schätzt die Teilnehmerzahl dieser Kundgebungen auf höchstens 150.000, während es tatsächlich zwischen 550.000 und 800.000 werden würden. Die Polizeiführung stellt sicher, dass die Einsatzkräfte nur für die geschätzte Teilnehmerzahl vorgesehen sind, und sorgt dafür, dass nur ein Minimum an Tränengas und Granaten zur Zerstreuung der Menge zur Verfügung steht. Die europäischen «Black Blocs» bringen Tausende von Aktivisten vor allem aus Italien, der Schweiz, Deutschland und Belgien zusammen.

Am 17. Oktober kommt es bereits vor Mittag zu Zusammenstössen. Sie enden in den frühen Morgenstunden des 18. Oktober. Die überforderte Polizei ist nicht in der Lage, irgendjemanden oder irgendetwas zu schützen – mit Ausnahme des Élysée-Palasts. Mehr als 600 Polizisten und Gendarmen werden verletzt, doch nur 26 Personen werden der Justiz überstellt. 1.500 Geschäfte werden zerstört, historische Gebäude in Brand gesetzt. Der Schaden wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

ANALYSE

Es gab kein bestimmtes Ereignis, das die Proteste der Schüler ausgelöst hat. Es handelt sich um eine allgemeine Unzufriedenheit angesichts des Gefühls der Vernachlässigung einer Generation, der man erklärt, dass sie sich mit schlecht isolierten Räumlichkeiten begnügen muss, in denen man je nach Jahreszeit unter Hitze und Kälte leidet; und dass sie nicht darauf hoffen darf, Lehrer zu haben, wenn ihre eigenen krank sind; dass sie ohnehin nie einen Arbeitsplatz finden wird und durch künstliche Intelligenz ersetzt wird; dass sie aber trotzdem die Schulden und die Zinsen für die Schulden bezahlen muss, die ihre Eltern angehäuft haben.

Zunächst hatte eine linke politische Partei versucht, diese Demonstrationen für sich zu nutzen, indem sie sich an den Ausgängen der Gymnasien postierte. Doch am 17. Oktober änderte sich alles.

Es ist offensichtlich, dass Verantwortliche innerhalb der Polizeiführung alles getan haben, damit diese Demonstration eskaliert, ohne Rücksicht auf die Demonstranten und die Polizisten. Es ist als beispielloser Vorfall festzuhalten, dass die grösste Polizeigewerkschaft, «Alliance», am 14. Oktober eine Anzeige gegen Unbekannt wegen «Gefährdung des Lebens anderer» erstattet hat. Diese Organisation sammelt landesweit Zeugenaussagen, um die Beamten zu identifizieren, die das Chaos organisiert haben.

Man sollte sich, wie es diese Polizisten tun, fragen, was die im Hintergrund agierenden Drahtzieher dieser Gewalttaten bezwecken. Es ist wahrscheinlich, dass sie eine Aktion vorbereiten, die darauf abzielt, die Präsidentschaftswahlen vom 18. April und 2. Mai 2027 zu stören.

Es ist möglich, dass sich diese Drahtzieher in Frankreich befinden, aber es ist ebenso denkbar, dass sie im Ausland sind; eine Hypothese, die durch die Beteiligung europäischer «Black Blocs» untermauert wird.

Wie könnte man vergessen, dass 2011 der in den Umfragen führende Präsidentschaftskandidat Dominique Strauss-Kahn in New York wegen Vergewaltigung festgenommen wurde – zwar von der örtlichen Polizei, aber mit Unterstützung des Pentagons –, wodurch die Wahl seines «Freundes» François Hollande gesichert wurde? [2]

Wie könnte man vergessen, dass 2017 der in den Umfragen führende Präsidentschaftskandidat François Fillon unter Verdacht geriet, seine Ehefrau als parlamentarische Assistentin eingestellt zu haben, ohne dass sie in der Nationalversammlung tatsächlich Arbeit verrichtete, und damit den Weg für die Wahl eines Dritten, Emmanuel Macron, ebnete?

Wie könnte man nicht in Betracht ziehen, dass im Jahr 2027 die in den Umfragen führende Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen gerichtlich verurteilt und ihrer bürgerlichen Rechte enthoben werden könnte… oder dass die Lage es erforderlich macht, im Land den «Ausnahmezustand» oder – gemäss der durch das Gesetz vom 16. August 2026 eingeführten neuen Bestimmung – den «Alarmzustand zur nationalen Sicherheit» zu verhängen?

In einer Ansprache an die Nation am darauffolgenden Tag zog Präsident Emmanuel Macron eine kurze Bilanz dieses Tages der Zerstörung [3]. Er kam zu dem Schluss, dass die Franzosen dieser Gewalt gegenüber machtlos seien. Abschliessend äusserte er den Wunsch, die Ordnung wiederherzustellen … damit die Wahlen stattfinden können.


Übersetzung: Werner Leuthäusser


[2] „Obama, der Finanzkrieg und die Beseitigung von D. Strauss-Kahn“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Komsomolskaïa Pravda(Russland), Voltaire Netzwerk, 31. Mai 2011.

[3] «Allocution du Président de la République», Emmanuel Macron, Palais de l’Élysée, 18 octobre 2026.

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