Die Ernährungsinitiative deckt Versagen bei Selbstversorgung und Umwelt auf
Der Bundesrat hält die Initiative in seiner Botschaft für unnötig. Doch die eigenen offiziellen Zahlen widersprechen ihm klar, schreibt Felix Schläpfer

Im Herbst stimmt das Schweizer Volk über die Ernährungsinitiative «Für eine sichere Ernährung» ab. Diese fordert eine Stärkung der inländischen, nachhaltigen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser.

Der Selbstversorgungsgrad (Brutto) ist von 61 Prozent (2002) auf 45 Prozent (2024) gesunken, der Netto-Wert sogar auf 42 Prozent. Pflanzliche Nahrungsmittel nahmen in zehn Jahren um 22 Prozent ab. Der Bundesrat nennt dies bloss «leicht rückläufig» und behauptet, die Entwicklungen gingen «grundsätzlich in die richtige Richtung» – trotz verfehlter Legislaturziele. 

Auch bei der Umwelt hakt es: Ammoniak-Emissionen der Landwirtschaft überschreiten die Grenzwerte massiv, Nitrat im Grundwasser übersteigt an vielen Stellen den Grenzwert, und TFA (aus Pflanzenschutzmitteln) belastet das Trinkwasser. Der Bundesrat spricht von «Ziellücken», die ohne Verfassungsänderung geschlossen werden sollen. Kritiker sehen darin Zweckoptimismus – die bisherige Agrarpolitik hat die Ziele seit Jahren verpasst.