Die Spannungen zwischen Iran und der arabischen Welt wurzeln nicht nur in aktuellen Konflikten, sondern in tiefgreifenden historischen, geografischen und religiösen Unterschieden. Während Iran seit Jahrtausenden über ein klar abgegrenztes Territorium verfügt, entstanden viele arabische Staaten erst im 20. Jahrhundert durch koloniale Grenzziehungen wie das geheime Sykes-Picot-Abkommen von 1916, was ihre innere Stabilität bis heute prägt.
Trotz der arabischen Expansion nach der Entstehung des Islam bewahrte Persien seine kulturelle Identität, insbesondere Sprache und Literatur. Entscheidender ist jedoch die religiöse Spaltung: Der Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten, der auf die Nachfolgefrage nach dem Propheten zurückgeht, prägt bis heute Politik und Selbstverständnis Irans. Ereignisse wie die Schlacht von Karbala (680 n.Chr.) wurden zu Symbolen für Widerstand und Opferbereitschaft.
Diese Haltung zeigte sich besonders im Iran-Irak-Krieg, dessen traumatische Erfahrungen Irans Misstrauen gegenüber internationalen Akteuren verstärkten. Daraus entwickelte sich eine Strategie der Selbstständigkeit und asymmetrischen Kriegsführung, etwa durch Raketenprogramme und unterirdische Militäranlagen.
Zugleich nutzt Iran schiitische Minderheiten in Ländern wie Irak, Bahrain oder Libanon als geopolitischen Hebel. Arabische Staaten stehen dadurch unter innenpolitischem Druck, während ihre Annäherung an Israel zusätzliche Legitimitätsprobleme schafft.
Schliesslich wirft die abnehmende Verlässlichkeit der USA als Schutzmacht neue Fragen auf. Sollte Washington seine Rolle reduzieren, könnte Iran seine Position im Golf weiter stärken – insbesondere durch Kontrolle strategischer Engpässe wie der Strasse von Hormus. Insgesamt zeigt sich ein Machtgefüge, in dem wirtschaftlich stärkere arabische Staaten einer ideologisch gefestigten und strategisch flexiblen Regionalmacht gegenüberstehen.