Ich beschliesse mit aller Kraft, noch einmal innezuhalten - und mir die Zeit zu nehmen, um zu fühlen, was gerade in der Welt geschieht. In Gaza - wo der Waffenstillstand immer wieder gebrochen wird und nicht die Erleichterung bringt, die die Menschen so dringend brauchen. In der Ukraine - wo immer noch weitergekämpft wird, auch weil unsere westliche Rüstungsindustrie weiter wachsen soll. Auch im Sudan geht der Bürgerkrieg mit grosser Gewalt weiter.
Wie oft haben wir diese Nachrichten schon gehört? Und wann haben wir uns Zeit genommen, zu fühlen, was sie in uns auslösen? Krieg - ich kenne kaum Menschen, die das schon erlebt haben. Aber ich weiss von meinen Eltern, wie Krieg ein ganzes Leben in Mitleidenschaft zieht. Nicht nur die Bomben - sondern der Hunger, die Kälte, die Angst, die Zerstörung von Heimat, der Druck zu Anpassung, Lüge, Heimlichkeit. Wieso können wir das plötzlich wieder in Kauf nehmen?
Ich höre zu diesem Thema so gerne dieses Lied an: «Solo le pido a dios» - hier gesungen von Gabriel Meyer Halevy. (Auch hier: Friede ist verdächtig. Deshalb wohl hat YouTube dieses berührende Friedenslied auf den Index gestellt, es kann nicht eingebettet werden. Bitte auf das Bild klicken und bei YouTube bestätigen, dass man die angeblich «verstörenden Inhalte» anschauen will.)

Darin die ultimativste Bitte, die wir an unsere göttliche Quelle richten können:
Alles, was ich von dir bitte, Gott,
ist dass der Krieg mich nicht gleichgültig lässt.
Er ist ein Monster, das die Unschuld der Menschen zerstört.
Worauf können wir eigentlich hoffen?
Immerhin darauf: dass doch immer mehr Menschen die Kriegslogik, von der sie Teil sind, die Kette von Angst und Gewalt durchschauen und an ganz vielen Orten zerreissen. Zum Beispiel im Mechanismus der Spaltung. Wir müssen endlich wieder miteinander ins Gespräch kommen und debattieren, ohne dass die bekannten Klappen runtergehen und man nur noch in Freund oder Feind denkt. Dazu brauchen wir Medien, die die Spaltung nicht noch ständig vertiefen, sondern mutig auch Mainstream-kritische Meinungen und Inhalte bringen - statt sie dreist als «rechts» oder «russlandfreundlich» zu framen und damit zu zensieren.
Das ist ein Vorsatz fürs neue Jahr, den ich gerne fasse: Ich will in jedes Gespräch mit offenem Visier hineingehen, zeigen, was ich fühle und denke und zu wissen glaube - aber auch meinem Gegenüber diesen Raum geben. Was ich zuverlässigen alternativen Quellen finde, prüfe ich und gebe es gerne weiter - bin aber auch bereit, mir die Quellen von Gegenseiten vor Augen zu führen. Es ist ja nicht so, dass die Menschen, die andere Medien konsumieren, automatisch für den Krieg wären! Die Dummheit der Spaltung entsteht ja da, wo wir uns vor der Sichtweise der anderen schützen.
Ich wünsche allen ein gutes neues Jahr und wenn es irgendwie geht, noch ein paar Tage der Einkehr.