Viele Verbraucher greifen im Supermarkt zu konventionell erzeugten Lebensmitteln, weil diese günstiger sind als Bio-Produkte. Doch der scheinbar tiefe Preis täuscht: Die konventionelle Landwirtschaft verursacht hohe Folgekosten, die die Allgemeinheit über Steuern und Umweltschäden trägt. Eine Studie der Zukunftskommission Landwirtschaft beziffert diese versteckten Kosten für Deutschland allein auf jährlich 90 Milliarden Euro.
Der Begriff «Kostenwahrheit» rückt diese verborgenen Belastungen ins Licht. Pestizide, Kunstdünger und Monokulturen schädigen Böden, Gewässer und Artenvielfalt. Massentierhaltung belastet das Klima durch Treibhausgase und Stickstoffaustrag. Zudem entstehen gesundheitliche Folgekosten, die der Staat und damit die Steuerzahler finanzieren müssen. Eine Meta-Analyse schätzt die externen Kosten der EU-Landwirtschaft auf 78 bis 157 Milliarden Euro jährlich – das entspricht 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
In Österreich werden bereits 27 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet, in Deutschland nur 11 Prozent (in der Schweiz 18%). Bio-Landwirtschaft setzt auf Kreisläufe ohne chemische Mittel, artgerechte Tierhaltung und vielfältige Fruchtfolgen. Dadurch entstehen zwar höhere Erzeugerkosten, doch langfristig sinken die gesellschaftlichen Belastungen. Experten wie Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg zeigen, dass konventionelles Fleisch und Milchprodukte eigentlich zwei- bis dreimal teurer sein müssten, um die wahren Kosten widerzuspiegeln.Kritiker aus der Bio-Branche fordern eine stärkere Förderung bioregionaler Produktion. Umfragen zeigen, dass über 80 Prozent der Befragten wünschen, Folgekosten der konventionellen Landwirtschaft durch mehr Bio-Anbau zu senken. Eine vollständige Umstellung könnte die Gesamtkosten in manchen Ländern um mindestens ein Drittel reduzieren. Die Ministerien betonen jedoch Versorgungssicherheit und verweisen darauf, dass nicht jede konventionelle Bewirtschaftung automatisch schädlich sei.
Dennoch wächst die Einsicht: Billigessen ist teuer. Eine echte Kostenwahrheit würde Verbraucher entlasten und die Landwirtschaft nachhaltiger machen. Statt Subventionen für Grossbetriebe brauche es Anreize für kleine, ökologische Höfe.