Digitale Briefmarken gegen E-Mailmüll

Die verblüffende Geschäftsidee eines Schweizer Unternehmens

Das kennen wir doch alle: Ständig flattern Lottogewinnmeldungen von dubiosen E-Mailadressen herein, während endlose, zum Teil belanglose E-Mails von Arbeitskollegen und «Freunden» ungelesen im Posteingang dümpeln. Dem könnte eine E-Mailadresse bei «ningo.me» Abhilfe schaffen! Die Dienstleistung dieses Schweizer Unternehmens funktioniert ganz einfach: Ihre Nutzer erheben eine Gebühr von jenen, die ihnen eine E-Mail an die betreffende Inbox senden möchten.


Der Empfänger erstellt eine Adresse bei ningo.me. Schreibt eine Person an diese Adresse ein normales Mail, erhält sie eine automatische Antwort mit einem Verweis auf die Bezahlseite. Dort wird dem Absender erklärt, welchen Betrag er für das Durchstellen seiner Nachricht bezahlen soll und wird weitergeleitet zur Paypal-Checkout Seite. Nach erfolgreicher Transaktion wird die ursprüngliche Nachricht ins Postfach des Empfängers geleitet. Die Plattform ningo.me verdient bei dem Geschäft an Kommissionen auf dem Umsatz des Empfängers. Sorgfältiger, 100 Prozent Schweizerischer Datenschutz ist dabei garantiert.


Für Gewohnheitstiere der kostenlosen Nachrichtenübermittlung stellt sich die Frage: Warum sollte jemand bezahlen wollen, um eine E-Mail zu schicken? ningo.me hat darauf mehrere Beispiele als Antwort parat:

 • Die Empfängerin verfügt über spezielles Knowhow, z.B. eine Jurtenbauerin beantwortet Fragen eines Anfängers oder ein Astrologe gibt Auskunft über persönliche Horoskope.

• Der Empfänger verspricht, sich schneller zurück zu melden bei bezahlten E-Mails.

• Die Absenderin ist überzeugt, dass der Empfänger an seinem Angebot interessiert ist, z.B. eine Antiquitätenhändlerin meldet sich für wenig Geld beim Besitzer eines kostbaren Eichenschranks und kann später das Möbelstück gewinnbringend verkaufen.

• Der Absender möchte den Empfänger einfach kennenlernen oder sich mit ihm unterhalten, z.B. wenn eine Laienschauspielerin ihrem Idol einen Fanbrief schreiben möchte.

Den Betrag kann jede Empfängerin selber festlegen: z.B. 1.- Fr. um eine kleine Hürde gegen inhaltslose E-Mails zu setzen, 20.- Fr. als Vorauskasse für eine kleine Dienstleistung, wie das Lektorieren einer definierten Anzahl Seiten oder 100.- Fr. wenn mit der E-Mailadresse Spenden für ein bestimmtes Projekt gesammelt werden, das der Absender unterstützen möchte.



Bisher kommt die Nachfrage bei ningo.me vor allem aus dem Ausland. «Viele Internet-Nutzer sind skeptisch, ja fast traumatisiert von Scharlatanerie im Internet – hören sie Internet und Geld in einem Satz, meinen sie schon, es müsse sich um eine Abzocke handeln», sagt Luzi, der Erfinder von ningo.me. Dabei gehe es einzig um einen Ablauf, den man beim Telefon (0900er Nummer) oder in der realen Welt (an der Kino-Kasse ein Ticket kaufen) schon längst normal findet.




Werden die zögerlichen Schweizerinnen und Schweizer bald nachziehen? Schliesslich ist es im Postverkehr immer noch selbstverständlich, eine Briefmarke auf den Umschlag zu kleben – warum also nicht auch im Internet? Es hätte zur Folge, dass weniger unerwünschte Mails unsere Aufmerksamkeit zerstreuen und Leute sich die Zeit, die sie in die sorgfältige Beantwortung von Mailanfragen stecken, bezahlen lassen könnten.


Ein verändertes Wertschätzungsverhalten der Leute für ihre Online-Kommunikation wünschen wir uns wahrscheinlich alle. Wir sind gespannt, wie die Geschäftsidee ankommt!
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Mehr Informationen: www.ningo.me

Weitere Anbieter bezahlter E-mails: www.wrte.io und www.getcomposed.com
16. März 2015
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