Die Welt befinde sich laut ihm in einer Zeit grundlegender Umbrüche, in der «wir derzeit eine Phase tiefgreifender strategischer Veränderungen durchleben» und «die Machtpolitik zurückgekehrt ist und militärische Gewalt wieder in grossem Umfang eingesetzt wird».
Daraus folge die Notwendigkeit, das Bündnis stärker an die Logik des Kalten Krieges anzulehnen. Die NATO müsse ihre Strukturen neu ausrichten, da «die Welt … der sogenannten unipolaren Phase … nicht mehr existiert».
Colby sprach von einer «NATO 3.0», die kompromisslose Verteidigung mit Diplomatie verbinde. Zugleich versicherte er, dies sei «kein Verzicht auf die NATO», sondern eine Rückkehr zu ihrem ursprünglichen Zweck.
Die USA wollten weiterhin «die erweiterte nukleare Abschreckung … gewährleisten», jedoch europäische Partner stärker in die konventionelle Verteidigung einbinden. Washington werde eine «Neugewichtung der Rollen und Lasten» verlangen – «kein Druck um des Drucks willen», sondern im Dienst einer «stärkeren, glaubwürdigeren NATO».
Der stellvertretende russische Aussenminister Sergej Rjabkow warnte, dass die globale strategische Lage im Übergang zur Multipolarität «starken Turbulenzen» unterworfen sei. Gewalt sei demnach zum wichtigsten Instrument der Aussenpolitik Washingtons geworden, wobei die Trump-Regierung «das tue, was vor einem Jahr noch undenkbar schien».