Während Raketenangriffe und Bombardements die Nachrichten dominieren, finden weltweit unzählige Akte der Solidarität und Hilfe statt, die kaum Beachtung finden. Freiwillige Ärztinnen und Ärzte operieren Verletzte oft ohne Betäubung, Rettungsteams holen Familien aus umkämpften Gebieten, und Gemeinschaftsküchen versorgen Hunderttausende Vertriebene. Diese «Friedensarbeit» wird jedoch systematisch ignoriert, weil Gewaltberichte höhere Einschaltquoten und Klicks generieren.
In Sudan hat sich aus lokalen Küchen in Darfur eine landesweite Hilfsbewegung entwickelt, die bis zu vier Millionen Menschen mit Essen versorgt – trotz gezielter Angriffe auf die Helfer. In der Ukraine evakuiert der bekannte YouTuber Denys Khrystov unter Gefahren Zivilbevölkerung aus Frontgebieten. Nach dem schweren Erdbeben in Myanmar im März 2025 brachten thailändische und malaysische Freiwillige zusammen mit dem Roten Kreuz dringend benötigte Hilfsgüter in ein Krisengebiet, das von Bürgerkrieg, Stromausfällen und Korruption zusätzlich geplagt ist.
Journalismus-Professorin Renu Nauriyal kritisiert, dass die Medienlogik Konflikte bevorzugt: Zerstörung und Drama verkaufen sich besser als Rettung und Wiederaufbau. Sie fordert einen eigenen «Friedenskorrespondenten»-Beat, der die humanitären Einsätze mit derselben Dringlichkeit und Echtzeit-Berichterstattung begleitet wie Kriegshandlungen. Nur so würden die stillen Erfolge der Menschlichkeit sichtbar und anerkannt.