Ach Spähnchen! Da hast du mal wieder zugelangt. Nach aussen ist der CDU-Vorsitzende der Saubermann, aber im realen Leben nutzt er jeden Vorteil. «The winner takes it all» – und dazu gehört jetzt auch ein eigenes Kind, bestellt und geliefert durch Leihmutterschaft in den USA, in Deutschland verboten.
Sollen wir es einem schwulen Paar nicht gönnen, auch das grosse Glück zu finden und Väter zu werden? Zumal sie es sich doch – im Gegensatz zu den meisten anderen – leisten können, die Gesetze zu umgehen! Ehrlich? Ich nicht. Wenn Spahn und sein Gatte sich ein befreundetes lesbisches Paar gesucht und gemeinsame Kinder geplant und bekommen hätten: Warum nicht, ich hätte ihnen alles Gute gewünscht.
Aber so? Zwei Spitzenverdiener beschliessen, ein, zwei hunderttausend Dollar aus der Portokasse zu nehmen, mal kurz über den Teich zu jetten und eine Leihmutteragentur zu beauftragen – ein Jahr später wird geliefert.
Andere protestieren gegen Gesetze, die sie sie unangebracht finden. Erstreiten Möglichkeiten – für sich und andere. Nicht so Jens Spahn: Er verteidigte den Embryonenschutz gar vehement – ein «gemieteter Mutterbauch» sei ihm suspekt. Sein Ministerium hat jede Gesetzesveränderung abgeschmettert. Auch für Forschung oder für nicht-kommerzielle Situationen liess Spahn an dem Verbot der Leihmutterschaft nicht rühren. Wie gesagt – für andere.
Ausserdem war das 2020 – schon so lange her. Ungefähr so lange wie die Maskenaffäre. Damals beschaffte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn FFP1-Masken u.a. aus einer Firma in seiner Heimat Sauerland – ohne Qualitätsprüfung, ohne Sicherheiten, gegen den expliziten Rat aus dem Ministerium – für fast 6 Milliarden Euro. Von denen wurden später etwa drei Viertel (für mehrere Millionen Euro) wieder vernichtet. Bezahlt hat nicht er – bezahlt haben wir.
Er musste sein Geld schliesslich zusammenhalten – siehe oben. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Spahn in diesem Jahr ein – eine persönliche Bereicherung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.
Gut, nennen wir es Fehlkalkulation. Kann ja vorkommen. Stellen wir uns vor, ein Fussballtrainer hätte für ein paar Millionen Euros Stümper statt Stürmer engagiert, obwohl alle ihn gewarnt haben. Hätte er gewonnen, hätte man ihn gefeiert. Wenn nicht, den Vertrag mit ihm gekündigt.
Spahns Karriere aber ging danach erst richtig los, vom Minister zum CDU-Vorsitzenden. Bravo, Team Deutschland – wen wundern da noch die vielen Eigentore!
Aber Spahn sieht sich gar nicht als Teamplayer, jedenfalls nicht für ein Team aus Menschen wie du und ich. Seine Liga sind die internationalen Elitezirkel. An der exklusiven und diskreten Dialog Society von Peter Thiel hat Spahn wenigstens fünfmal teilgenommen und – weit entfernt von so lästigen Dingen wie regieren – über Themen wie Technologie, Geopolitik, Atomkraft, «Den Dritten Weltkrieg meistern» parliert.
Wieso sollte so jemand, der um die Erde jettet und die Menschheit rettet, sich von irgendwelchen Gesetzen einschränken lassen bei dem verständlichen Wunsch, Papa zu werden!
Je mehr ich darüber nachdenke, ist der eigentliche Skandal der des Kindes: Was für ein Schicksal, so einen Vater zu bekommen!