Mehr als 40 frühere israelische Führungspersönlichkeiten schlagen Alarm: In einem Brief an Premierminister Benjamin Netanjahu, mehrere Ministerien, Armee, Polizei und Geheimdienste verlangen sie ein sofortiges Vorgehen gegen den «jüdischen Terror» im Westjordanland. Zu den Unterzeichnern gehören zwei ehemalige Ministerpräsidenten, Ex-Minister, frühere Chefs von Mossad und Shin Bet, ehemalige Sicherheitsverantwortliche, Juristen, Richter, Diplomaten, Rabbiner und Wissenschaftler. Bleibe die Regierung untätig, wollen sie den Obersten Gerichtshof anrufen.
Der Brief, der dem Guardian vorliegt, erhebt schwere Vorwürfe. Die Gewalt sei kein blosses Versagen von Armee oder Polizei, sondern diene einem politischen Ziel: der Vertreibung von Palästinensern und der Vorbereitung einer Annexion. Siedlerangriffe, Morde, Brandstiftungen, Diebstähle, sexuelle Übergriffe und Schändungen von Leichen würden nahezu straflos bleiben. Teilweise seien bewaffnete Zivilisten oder Mitglieder regionaler Verteidigungseinheiten beteiligt.
Die Unterzeichner warnen, diese Politik verletze israelisches und internationales Recht, isoliere Israel, könne eine neue Intifada auslösen und weltweit Antisemitismus verstärken. Ein UNO-Bericht zählt seit Januar 2025 im Westjordanland 295 getötete und 5255 verletzte Palästinenser, 2803 Siedlerangriffe sowie über 40’000 Vertriebene.