KI-Rechenzentren saufen Trinkwasser und Strom
In Beringen droht Wassermangel – Energiewende gerät unter Druck

Ein neues KI-Rechenzentrum des US-Unternehmens Stack Infrastructure sorgt im Schaffhauser Weinland für Proteste. Die Anlage mit 36 Megawatt Leistung erhielt die Baubewilligung innert drei Monaten – ohne umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung. Sie darf jährlich 55'000 Kubikmeter Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz beziehen, das sind rund 150'000 Liter pro Tag. Beantragt war ursprünglich sogar das Sechsfache. 

Im Sommer, wenn Kühlung am dringendsten gebraucht wird, sinken Grundwasserspiegel und Quellen. Die Server laufen jedoch rund um die Uhr. «Kein Trinkwasser für Tech-Oligarchen», forderten Aktivistinnen und Aktivisten, deren Protestcamp in Benken von der Kantonspolizei geräumt wurde. Nun protestieren sie von deutschem Boden aus. 

Rechenzentren sind nicht nur Wasserschlucker, sondern auch Stromfresser. Die Anlage in Beringen könnte den Strombedarf des Kantons Schaffhausen um 70 Prozent in die Höhe schnellen lassen. In der Schweiz gibt es bereits rund 120 solcher Zentren, weitere 20 sind im Bau. Ihr Anteil am Landesstromverbrauch liegt heute bei 6 bis 8 Prozent und könnte bis 2030 auf 15 Prozent steigen – mehr als der gesamte Kanton Zürich verbraucht. Ein einzelnes Projekt in Volketswil soll sogar mehr Strom brauchen als die Stadt Lausanne. 

Die Abwärme der Server wird oft ungenutzt in die Luft geblasen. In Beringen plant man nun teure Lösungen mit Speichersee und Wärmepumpen. Eine nationale Debatte über Regeln für Strom, Wasser und Abwärme fehlt bisher.