Menschsein im Chaos
Stell dir vor, die mächtigsten Menschen der Welt – die, die unser Schicksal lenken – wären in Wahrheit Bestien, Pädophile, Lügner und Monster aus der untersten Schublade. Die Epstein-Files legen genau das schonungslos offen. Was ist unsere Antwort?

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Mensch und Welt sind immer untrennbar in einem kokreativen Prozess verbunden. Bild: Shutterstock

Bestien, Betrüger, Blender, Degenerierte, Drogenabhängige, Geldgierige, Irre, Kannibalen, Kriminelle, Lügner, Machtgeile, Menschenverächter, Monster, Pädophile, Perverse, Satanisten, Rechtsverdreher, Schwerverbrecher, Sexsüchtige, Straftäter, Täuscher und Wahnsinnige gehören laut den Epstein-Files dem Vernehmen nach zur sogenannten Elite... treffender benannt zur Elite der aus der untersten Schublade stammenden Wesen, von denen sich offensichtlich weltweit viele Menschen (haben) beherrschen lassen (müssen). Solcherart Um- und Zustände machen mich wütend und traurig. Wütend, weil ich es grauenhaft finde. Traurig, wenn es sich nicht ändern lässt.

Wenn faule Eier platzen, kann es grässlich stinken. Das gilt auch für sogenannt normale Medien, weil und wenn sich die Wahrheit von Ungeheuerlichkeiten nicht mehr verschweigen lässt. Eine kognitive Dissonanz, die als eine solche erkannt ist, verliert ihren Verdrängungswert.

Ich hoffe, dass alle verstehen, dass wir uns mitten im bedeutendsten politischen Ereignis seit der Ermordung von John F. Kennedy im Jahr 1963 befinden. Tatsächlich ist die Veröffentlichung der Epstein-Akten sogar noch bedeutender. Der Staatsstreich von 1963 war die Verdichtung und Verschärfung eines Machtsystems, das (mindestens) Jahrhunderte zurückreicht. Die Epstein-Akten sind sein Untergang. Charles Eisenstein

Dass Verantwortliche aus Politik und/oder Verwaltung und/oder Wissenschaft von solchen Missständen, die von wahrhaftig und wirksam Mächtigen verantwortungslos verursacht sind, nichts wissen woll(t)en, scheint leider mehrheitlich Courant normal. Hingegen gilt beispielsweise als ein Nestbeschmutzer, Schwurbler, Querdenker oder Verschwörungstheoretiker, wer nicht mitmacht, wenn mit sogenannt toxischem Positivismus eine marode Situation schön geredet oder geschrieben wird: um dem Taifun der Wahrheit nicht ins Auge schauen und nichts tun wollen zu müssen.

Zum Verhaltensmuster von Verantwortlichen gehört es auch, den Hut zu nehmen und sich ehren- und geldwert in die Büsche zu schlagen, wenn das Fass krass und wahrnehmbar überlaufen ist.

Das moderne Denken glaubt, dass wir Geschichten über die Welt erzählen. Indigene Denkweisen gehen davon aus, dass Geschichten die Welt erneuern können. Charles Eisenstein

Mensch und Welt sind immer untrennbar in einem kokreativen Prozess verbunden, in dessen Rahmen sich beide entfalten. Diese Erkenntnis lässt sich in Ausdrücken wie von Carl Sagans: «Wir sind ein Weg für den Kosmos, sich selbst zu erkennen», oder von Allan Watts': «Durch unsere Augen nimmt das Universum sich selbst wahr» finden. Die Basis jeder Zukunftsgestaltung ist die Kapazität, sich so umfassend wie möglich auf die Welt zu beziehen und mit ihr in Resonanz zu gehen. Und zwar mit der Welt, so wie sie sich im Hier und Jetzt abbildet und nicht, wie wir sie uns still und sehnsüchtig erhoffen oder visionär und untätig erträumen.

Die Welt, in der wir leben, nehme ich immer noch mehr von Gier, Herrsch- und Vergnügungssucht sowie von Zerstörungswut geprägt wahr: Chaos und Handlungsunfähigkeit sind Teile dieser Welt.

Chaos ist weder gut noch schlecht: Es ist. Im Rahmen von günstigen Bedingungen kann aus einem Chaos etwas erfreulich Produktives werden. Wunderbar, wenn ich dabei gebraucht werde und dafür eine günstige Wirkung haben kann.

So beispielsweise auch in und mit der Politik, wenn es gilt und gelingt, unterwegs zu einem Entscheid alle sachrelevanten Aspekte bestmöglich zu berücksichtigen: Für Lösungen, die den Bedürfnissen, Interessen und Potenzialen von uneingeschränkt allen optimal entsprechen können.

Dafür werde ich mich weiterhin im Sinne von Menschlichkeit auch in und mit der Alten Politik engagieren: kooperativ und kokreativ, anstatt verstrickt in Parteigeplänkel und voller Schlagseiten. Zum höchsten Wohl von allen. Niemandem zum Schaden.

Seit Jahrhunderten wird die Geschichte der Menschheit als eine Abfolge von Kriegen, Eroberungen und Konflikten erzählt, so als sei Gewalt die natürliche Sprache unserer Art. Doch diese Geschichte ist unvollständig. Maurizio Herrera Kahn

Es freut mich, für und mit Projekten unterwegs sein zu dürfen, die ihre Geschicke friedfertig und menschenfreundlich souverän selbst sowie mit Herz und Kopf an und in die Hand nehmen. Was ich dabei fühle, bringt Vivian Dittmar (*) wie folgt zum Ausdruck: 

Freude

Sie steigt in meiner Mitte auf,
wie aus einer Quelle hellen Lichts in meinem Bauch.
Es sprudelt und lacht,
fast kitzelt es.
Wie Luftblasen
scheint das Lachen
an den Innenwänden meines Körpers
emporzusteigen.
Die Welt strahlt in mir.
Schönheit ist das, was ist.
Meine Füsse wollen springen und tanzen,
mein Bauch Saltos schlagen.
Ich freue mich,
ich fliege.

Viele Menschen gehen davon aus, dass unsere Welt nach unserem Willen gestaltbar ist, dass wir Fortschritte bewirken können. Doch de facto erweisen sich die allermeisten dieser Versprechen als hohl. Sowohl gesamtgesellschaftlich als auch individuell klaffen Anspruch und Wirklichkeit oft schmerzlich auseinander und können damit zum Gefühl eines «rasenden Stillstands» führen.

Es erfüllt mich mit Trauer, wenn Projekte den Bettel hinwerfen, wenn ihnen dafür das Durchhaltevermögen, die Energie und/oder – insbesondere weil sie nicht mehrheitsfähig systemkonform sind - das Geld fehlen.

Wenn eine geplante Veränderung nicht gelingt, be- oder entsteht eine leidvolle Diskrepanz zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte. Herzensgüte und Trauerkraft können es ermöglichen, liebevoll wirksam mit dem Bewusstsein zu leben, dass es so ist, wie es ist: Trauerkraft kann Liebe erschaffen. Frei von nicht einlösbaren Ansprüchen an andere und an sich selber. Frei von Erwartungen, die sinnlos sein, oder sogar zerstörerisch wirken können.

Vivian Dittmar (*) hält dazu fest: 

Trauer
Es ist ein Raum der Stille, der sich in mir ausbreitet.
Alles sinkt nach unten, wird schwer und ruhig.
Die Wogen in mir glätten sich, das Gewässer wird ganz still.
Es öffnet sich eine Weite, in der ich atmen kann.
Ich betrachte die Dinge, wie sie sind.
Ich bin wehmütig und voller Bedauern
und zugleich merke ich, wie etwas in mir zu Liebe verschmilzt.
Ich bin dankbar.
Ich bin dankbar für das, was ist,
weil ich die Gesamtheit der Dinge
in der Weite, die sich öffnet,
erkenne.
Ich bin Liebe.

Quellen

(*) Vivian Dittmar, Gefühle & Emotionen - Eine Gebrauchsanweisung, erstmals 2007 erschienen.

Ueli Keller

Ueli Keller

Ueli Keller ist ausgebildet als Lehrer und als Heilpädagoge, als Supervisor- und Organisationsentwickler sowie als Bildungswissenschaftler. Er war 45 Jahre in mehreren Berufsfeldern lohnerwerbstätig. Seit 2012 pensioniert, ist er als frei schaffender Bildungs- und Lebensraumkünstler mit Herz, Kopf, Hand und Fuss in diversen Tätigkeitsfeldern unterwegs. Unter anderem europaweit als Koordinator des Netzwerks «Bildung & Raum» sowie als Botschafter für Neue Politik (www.einestimme.ch).

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