Die Schweizer Pharmalobby schlägt Alarm: Neue Medikamente würden Patientinnen und Patienten in der Schweiz vorenthalten. Interpharma-Geschäftsführer René P. Buholzer zeichnete in einer Mitteilung vom 17. August 2026 ein dramatisches Bild.
Die US-Politik unter Trump, die die Schweiz als Referenzland für Medikamentenpreise heranziehen will, habe bereits negative Folgen. Weil die Schweiz die Preise nicht senke, hätten Pharmafirmen rund ein Drittel ihrer neuen «innovativen» Medikamente gar nicht mehr zur Vergütung durch die Krankenkassen eingereicht. Der Zugang zu neuen Therapien sei gefährdet, so die Lobby. Auch die geplante Revision der Krankenversicherungsverordnung mit Rabatten bei hohen Umsätzen drohe die Lage zu verschärfen.
Diese Darstellung sei politisch geschickt, aber verzerrt, schreibt Facharzt Max Giger auf Infosperber. Es gehe nicht um echte Versorgungslücken, sondern um ökonomische Interessen. Die Schweiz mache nur rund zwei Prozent des Weltmarkts aus. Ein tiefer Schweizer Preis würde als Referenz die hohen US-Preise und damit die globalen Umsätze und Renditen der Konzerne drücken. Deshalb verzichten Hersteller zunehmend darauf, neue Präparate beim Bundesamt für Gesundheit einreichen zu lassen.
Giger betont: «Was Interpharma nicht erwähnt: Die Schweiz verfügt über ein bewährtes Vergütungssystem für Einzelfälle.» Bei schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen könne der Arzt ein Gesuch stellen – gestützt auf Zulassungen in den USA, der EU oder anderen Ländern. Solche Gesuche würden bei klarer Indikation in der Regel bewilligt, besonders in der Onkologie und bei seltenen Krankheiten. Der Zugang bleibe damit grundsätzlich gesichert.
Das eigentliche Problem sei der Preis: Ohne Aufnahme in die Spezialitätenliste müssten Versicherer oft den hohen internationalen Marktpreis, häufig den US-Preis, bezahlen. «Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Pharmakonzerne nicht aus Sorge um Patientinnen und Patienten auf die Tränendrüse drücken, sondern aus Renditegründen», so Giger. Die Frage sei nicht der Verlust innovativer Therapien, sondern wie überhöhte Kosten für das Schweizer Sozialversicherungssystem verhindert werden können.