Die oppositionelle Studentenliste hat bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober 2026 in Serbien die absolute Mehrheit der Sitze errungen. Die regierende Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Aleksandar Vučić kam nach vorläufigen Angaben auf 39,1 Prozent der Stimmen, die Studentenliste auf 52,8 Prozent. Vučić räumte die Niederlage ein. Vorausgegangen waren rund zwei Jahre Proteste gegen Korruption und Machtmissbrauch. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen.
Verhältnis zur EU bleibt offen
In Brüssel wurde das Wahlergebnis begrüsst. Der Blog «Lost in EUrope» warnt jedoch davor, die siegreiche Bewegung als eindeutig pro-europäisch einzuordnen. Die Studentenliste vereint unterschiedliche politische Strömungen und hat den EU-Beitritt bislang nicht zur Priorität erklärt. Sie fordert zudem, über einen möglichen Beitritt in einem Referendum entscheiden zu lassen. Kritiker einer stärkeren Einflussnahme der EU sehen deshalb keinen Beleg für einen geopolitischen Kurswechsel. Im Zentrum der Bewegung stehen vor allem Forderungen nach Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und Korruptionsbekämpfung. Wie sich die künftige Regierung aussenpolitisch positionieren wird, ist noch offen.