Rohmaterialien aus zweiter Hand

Der Basler Verein «Offcut» fördert Kreativität und mindert Müll

Wo findet man linke Füsse, Holzfurnier und  Buchbinderleine? Beim Verein Offcut in Basel. Er verfolgt das Ziel, möglichst viele «Rohmaterialien», welche als Abfälle in der Entsorgung enden würden, der kreativen Wiederverwertung zuzuführen. Damit besetzt er in  Basel und schweizweit eine Nische. Das Projekt wurde 2012 lanciert und sammelt und verkauft seit damals kostengünstige, nützliche und ungewöhnliche Restmaterialien. Im September 2014 zog Offcut auf das Dreispitz-Areal im Süden Basels, wo auf 350 m2 der «Materialmarkt für kreative Wiederverwertung» stattfindet: ein Laden, Projektraum und inspirierender Fundus für Künstler- und Bastelbedarf aus zweiter Hand. Und neben Holz, Papier, Karton, Textilien, Kunststoffen, Glas, Metall und Werkzeugen findet man immer wieder auch Kuriositäten, wie etwa zehn linke Füsse von Schaufensterpuppen.


Zulieferer für Offcut sind Privatpersonen, Theater- und Filmproduzenten, die ihr Bühnen- oder Setmaterial nicht mehr brauchen oder verschiedene Betriebe, bei denen täglich Reste, Überschüsse, Mangelexemplare und Muster anfallen, die zu schön zum Wegwerfen sind. Gesucht ist Material, das gratis abgegeben wird, vorzugsweise in grösseren Mengen und von gleicher Sorte, hauptsache sauber, intakt, ungiftig, ohne Nägel oder Schrauben etc. und in Einzelteilen.


Hinter Offcut steht ein Team von sechs jungen Menschen, deren Profile von Schneiderin bis Kulturmanagerin die Diversität der Vereinsaufgaben wiederspiegeln. Offcut findet grossen Anklang bei Kulturschaffenden, SelbermacherInnen und PädagogInnen. Bei den verschiedenen Soirées, organisiert vom «Offcut Club», können sie sich austauschen und Neues lernen, z.B. wie man aus Fischabfällen Leder machen kann, oder warum Glas mehr als transparent und zerbrechlich ist. Der Club zeigt im Weiteren Dokumentarfilme zu Umweltthemen und veranstaltet die «Soirées de l‘Avenir»,  bei denen ReferentInnen Einblick in ihre Arbeit für eine nachhaltige Zukunft geben: Zum Beispiel wird erklärt, wie Unternehmen die Ökobilanz eines Produkts berechnen, wie viel Wasser in der Materialherstellung steckt oder wie die Leihgemeinschaft «Pumpipumpe» auf clevere Art Dinge teilt und Nachbarn vereint.


Offcut inspiriert gleichgesinnte Engagierte in anderen Schweizer Städten: In Zürich entsteht rund um Studierende der Zürcher Hochschule der Künste eine Gruppe mit ähnlichen Absichten. Hoffentlich mit ebenso ansteckendem Erfolg!


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Mehr Informationen: www.offcut.ch