Die Nato verfügt über deutlich stärkere Möglichkeiten, als sie derzeit unter Generalsekretär Mark Rutte nutzt. Dies betont ein Kommentar des Journalisten Andreas Zumach, der langjährig als UNO- und Schweiz-Korrespondent tätig war. Kein europäischer Politiker zeige sich gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump so unterwürfig wie Rutte. Statt klarer Haltung setze der Niederländer auf Schmeicheleien und Anpassung.
Rutte habe in den letzten Monaten mehrmals versucht, Trump zu besänftigen, etwa durch lobende Worte oder die Bezeichnung als «Vaterfigur». Und das, obwohl Trump die Nato scharf kritisiert, insbesondere wegen fehlender Unterstützung im Iran-Konflikt. Er hatte das Militärbündnis als enttäuschend bezeichnet, nachdem es keine Hilfe bei der Sicherung der Strasse von Hormus geleistet hatte.
Zumach: «Natürlich verfolgt die Trump-Administration – noch stärker als all ihre Vorgänger und dank Russlands völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine auch viel erfolgreicher – das Ziel, die finanziellen Lasten in der NATO umzuverteilen und die Europäer zu mehr Militärausgaben zu drängen. Doch davon abgesehen hat sich das grundlegende Interesse der USA an der NATO seit ihrer Gründung im Jahr 1949 auch unter Trump nicht verändert: Die Militärallianz ist für ihre Führungsmacht das wichtigste Instrument zur Einflussnahme in und Kontrolle über Europa. Auch die Existenz von US-Militärbasen in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie deren Nutzung für Washingtons Kriege und Drohneneinsätze wären ohne die NATO nicht möglich. All das wird auch Trump nicht aufgeben.»