Überall gibt es Schönheit... auch in einer Welt des Unheils
Im alternativen Segment der Gesellschaft herrscht eine nie hinterfragte Vorstellung: Es ist edel, unglücklich zu sein – oder zumindest vernünftig, schliesslich ist ja alles so ungerecht und krank. Als wäre es egoistisch, in einer Welt in Not glücklich zu sein.
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Graffiti auf einem Haus in Damaskus. Foto: Netzfund

Aber das ist Unsinn. Niemandem ist mit unserem Unglück gedient.

Indem wir uns der Freude verweigern, entziehen wir der Welt, was sie so dringend braucht. Mehr Freude erfüllt uns mit Energie und Hilfsbereitschaft – und sie verbreitet Freude um uns herum. Freude ist vielleicht ein Geschenk; aber sie ist vor allem eine Fähigkeit. Wie jede Fähigkeit will sie geübt sein.

Freudvoll zu sein bedeutet nicht, sich vor dem Elend der Welt zu verstecken oder sich von der Realität des Geschehens abzukapseln – im Gegenteil. Es bedeutet, sich dem, was in jedem Moment geschieht, ganz zu öffnen und es mit dem Herz eines Dichters zu fühlen. Es bedeutet, empfindsamer zu werden, denn gerade in einer offenen Sensibilität ohne Schutz zeigt sich  die allgegenwärtige Schönheit.

Wir haben immer Zugang zur Freude, weil wir immer Zugang zur Schönheit haben. Schönheit ist überall. Auch in der Dystopie. Auch in diesem langsamen Untergang, in dem wir uns jetzt befinden. Wohin du auch blickst, wohin du auch fühlst, wohin du auch hörst – eine überwältigende Schönheit strahlt hervor.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man. Aber das stimmt nicht. Schönheit liegt in allem. Das Versagen hingegen, Schönheit zu erkennen, liegt im Auge des Betrachters. Wenn das Auge in einem bestimmten Moment die Schönheit nicht zu sehen vermag, dann liegt der Fehler beim Wahrnehmenden, nicht beim Wahrgenommenen.

Die meisten Menschen verpassen die besten Momente ihres Lebens, während sie sich an leerem Unsinn festklammern. Sie halten ihre Aufmerksamkeit gefangen in endlosen inneren Monologen aus Urteil, Sorge und ihrer ständigen Suche nach Ablenkung von der Gegenwart.

Sie verpassen Moment um Moment strahlender Schönheit und tauschen das alles gegen unfassbar wenig ein. Sie werden auf ihrem Sterbebett zurückblicken und erkennen, dass sie eigentlich nicht wirklich dabei waren. Dass sie all die besten Momente verpasst haben, während sie ihren Zielen hinterherjagten, vor ihren Widerständen davonliefen und versuchten, sich von der Öde des Daseins abzulenken.


...Dieser Text stammt aus dem aktuellen Zeitpunkt: DAS GROSSE IM KLEINEN

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Die besten Momente, die verpasst werden, sind genau jene, die unser Verstand gewöhnlich als langweilig und der Aufmerksamkeit nicht würdig abtut. Der tägliche Arbeitsweg. Das Warten im Aufzug. Das Aufräumen der Küche. Das Aufhängen der Wäsche. Der Blick aus dem Fenster. Die Geräusche im Zimmer. Das Gefühl des Bodens unter den Füssen und der Luft in der Lunge. Jeder einzelne dieser Momente ist voller atemberaubender Schönheit.Ich bestehe darauf, dass dies wahr ist. Wer anderer Meinung ist, irrt – und ich werde es ihm in aller Deutlichkeit sagen.

Vergeude nicht deine kostbare Zeit, indem du die Schönheit des Augenblicks verpasst. Das ist heute wichtiger denn je, denn wir wissen nicht, wie lange das Abenteuer der Menschheit auf dieser wunderbaren blauen Erde noch dauern wird. Wir alle werden sterben. Wir schulden es uns selbst und der Welt, unser Bestes zu geben, um jeden Augenblick der uns verbleibenden Zeit zu würdigen.

Bringen wir unsere Aufmerksamkeit immer wieder zurück ins Hier und Jetzt und erkennen wir die Schönheit darin. Denn sie ist da. Sie ist da in den Empfindungen des Körpers. Sie ist da in den Bildern, Klängen und Gerüchen des Alltags, ganz gleich, was sonst in deinem Leben oder in unserer Welt geschieht. Suche danach, und du wirst immer besser darin, sie zu erkennen.

So wird das Leben freudvoller. Nicht indem man den Höhenflügen hinterherjagt oder vor den Tiefpunkten flieht, sondern indem man lernt, die Schönheit zu geniessen, die jeder irdischen Sinneserfahrung innewohnt – in jedem einzelnen Moment deines Lebens, ganz gleich, was sonst gerade geschieht.

Lernen wir das und wir können den Rest des Lebens im Wissen verbringen, dass wir, selbst wenn eines Tages alles zusammenbrechen sollte, wenigstens unser Bestes gegeben haben, um das Wunder unserer Zeit hier nicht zu verpassen.


Die US-Amerikanerin Caitlin Johnstone ist erfolgreiche Bloggerin und veröffentlich unter caitlinjohnst.one, wo der vorliegende, leicht bearbeitete und gekürzte Text erstmals erschienen ist.
 

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