Seit dem 28. Dezember 2025 ruft die internationale Presse zur Bombardierung des Iran auf, um das «Mullah-Regime» zu stürzen. In fünf Wochen hat sie uns überzeugt, dass die iranischen Behörden absichtlich 40000 ihrer Mitbürger getötet haben. Dieses Massaker würde ein weiteres rechtfertigen.
Wer sind denn diese Journalisten, die sich so das Recht auf Leben und Tod über Iraner geben? Für welche dunklen Interessen setzen sie ihre Medien ein? Am Ende, wer will immer wieder die Iraner massakrieren?
Seit der antiimperialistischen Revolution von Ayatollah Ruhollah Khomeini im Jahr 1979 hat der Westen – besonders die Briten, US-Amerikaner und Israelis – nachdem sie die Flucht des Schahs Reza Pahlewi gefördert, und die Rückkehr seines Gegners organisiert hatten, einen tödlichen Hass geschworen - nicht diesem «Regime», sondern diesem Land.
Eine klerikale Relgionsauffassung
Ich sage, nicht zu diesem «Regime», weil dieses in siebenundvierzig Jahren mehrfach gewechselt hat. Seine einzige Beständigkeit ist die Macht, die der schiitische Klerus dort ausübt, und zwar unabhängig von seiner politischen Kompetenz. Paradoxerweise wurde Ayatollah Khomeini von seinen Kollegen vor seiner Rückkehr als Ketzer betrachtet, heute aber von denen, die ihn abgelehnt haben, vergöttert.
Der Iran, der nie Religionskriege oder die Trennung von Kirche und Staat erlebt hat, ist immer noch kulturell von der klerikalen Macht versklavt. Iraner, die beispielhaften Glauben zeigen, verehren die Religionswissenschaftler. Es spielt keine Rolle, ob diese glauben oder nicht, sie betrachten sie als Vertreter Gottes auf Erden.
Die Männer, die Khomeini umgaben, waren jedoch keine Götzendiener des Korans. Sie testeten muslimische Praktiken, um selbst festzustellen, welche sie für nützlich hielten und welche nicht. Ihr Anführer war der Soziologe ’Ali Sharî’atî, der kurz vor der Revolution von der Savak (der politischen Polizei der Diktatur) ermordet wurde.
Sharî’atî war ein persönlicher Freund von Franz Fanon und Jean-Paul Sartre. Er war es, der Persönlichkeiten wie Michel Foucault dazu brachte, die aufkeimende iranische Revolution begeistert zu unterstützen.
Ein platonisches Machtverständnis, das nicht funktioniert
Sharî’atî und Khomeini waren sich bewusst, dass das iranische Volk in einer Unterdrückungsideologie verankert war, die von ihm verlangte, sich wie der Prophet Ali aufzuopfern. Sie erklärten dem Volk, dass Ali im Gegenteil für Gerechtigkeit gekämpft habe, und dass wahre Muslime aufrechte Menschen seien. Ein Opfer hat nur dann Sinn, wenn es der Gerechtigkeit gewidmet ist.
Beide Männer waren tief in platonischen Schriften, besonders in der Republik, verwurzelt und träumten, den Staat einem «weisen Mann» anzuvertrauen. Dies war die Idee des «Obersten Führers» und des Velayat-e faqih.
Wenn Sharî’atî und Khomeini auch das iranische Volk aufgeweckt haben, sehen wir heute, dass ihre Vorstellungen vom «Obersten Führer» und Velayat-e faqih ebenso katastrophal waren wie die von Blanqui und Marx von der «Diktatur des Proletariats». In der Praxis haben die Iraner den Kult ihres Klerus von der Unterdrückungsideologie bewahrt. Es reicht immer, den Koran auswendig zu lernen und ihn wie ein Tonbandgerät zu rezitieren, um bewundert zu werden und mit der Macht betraut zu werden.
Die Islamische Revolution hat sich ständig verändert. Nur die Präsidenten Mohammad Ali Rajai (1981) und Mahmoud Ahmadinejad (2005–2013) sind dem antiimperialistischen Willen gerecht geworden. Alle anderen – ausser Abolhassan Bani Sadr (1981), der ein Sonderfall war – haben nur die Macht zum Wohle des Klerus übernommen. Ebrahim Raisi (2021–2024) war einfach ein Fanatiker, besessen davon, seine Gegner physisch auszuschalten. Massoud Peseschkian (2024–2026) ist viel offener.
Die wichtigsten Mitglieder der Ahmadinejad-Regierung wurden inhaftiert. Sie wollten die Frauen vom islamischen Schleier befreien und die Männer von der Pflicht einen Bart zu tragen. Ahmadinejads erster Vizepräsident, Hamid Beghaie, wird noch immer in geheimer Haft gehalten. Dieser aussergewöhnliche Mann wurde hinter verschlossenen Türen mittels geheimer Anklagen vor Gericht gestellt und verurteilt. Wahrscheinlich wurde er von diesem moralischen Regime wegen einer ausserehelichen Affäre zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.
Eine Bankenpleite, die ganze Familien ruinierte
Im Oktober 2025 beschuldigte die islamische Justizbehörde die Ayandeh-Bank. Sie hatte ein luxuriöses Einkaufs- und Freizeitzentrum, das Iran Mall, gebaut. Es zeigte den Prunk der herrschenden Klasse und ihre Überlegenheit gegenüber dem Volk, das mit der Hungersnot kämpfte. Am 23. Oktober ging die Bank in Konkurs und verursachte plötzlich Verluste von 5,5 Billiarden Rial (5 Milliarden Euro); eine Katastrophe, die auf ein weit verbreitetes System von Betrug und Korruption zurückzuführen ist. Obwohl der Staat versuchte, das Ausmass des Zusammenbruchs der Bank zu vertuschen, waren ihre Kunden plötzlich ruiniert. Sie demonstrierten und steckten das Hauptquartier in Teheran in Brand. Das war der Anfang des Aufstands.
Das ganze Land stand bald in Flammen. Es ging nicht um einen «Regimewechsel», sondern um seine armen Ersparnisse wiederzufinden. Die Klasse der Besitzenden, die sich bedroht fühlte, reagiert wie immer: mit Gewalt.
Am 21. Januar 2026 kommentierte Scott Bessent, US-Finanzminister, auf dem Weltwirtschaftsforum (Davos): «Es hat funktioniert, weil seine Wirtschaft im Dezember zusammengebrochen ist. Wir haben eine grosse Bank gesehen, wie sie Bankrott machte. Die Zentralbank hat begonnen, Geld zu drucken. Es gibt einen Mangel an Dollar. Sie können nicht importieren, und deshalb sind die Leute auf die Strasse gegangen. »
Ein Thronanwärter, Agent der CIA und von Israel
In diesem Umfeld mischten sich israelische Agenten unter die Demonstranten und forderten ab dem 6. Januar 2026 die Rückkehr des Schahs und die Wiederherstellung des Persischen Reiches. Reza Pahlewi, der älteste Sohn des letzten Schahs, lebt heute im Exil in den Vereinigten Staaten.
1985 kaufte er eine Villa für 3 Millionen Dollar in der Nähe des CIA-Hauptquartiers in Langley. Seitdem erhält er eine Rente von der US-Regierung, und sein Porträt ist prominent in der Iran-Abteilung der CIA ausgestellt, verziert mit dem Slogan «Hoffnung auf Demokratie im Iran».
1986, mitten in der Iran-Contras-Affäre, unterbrach die CIA die iranischen nationalen Fernsehsender und sendete eine kurze Rede von Kronprinz Reza Pahlewi. Anlässlich der Proteste wegen hoher Lebenshaltungskosten von 2019, reichte er gegen Ayatollah Ali Khamenei beim Internationalen Strafgerichtshof eine Beschwerde ein. Sie wurde für unzulässig erklärt, da Iran kein Unterzeichner des Römischen Vertrags war.
2023 veröffentlichte er eine Solidaritäts-Charta und die Allianz für Freiheit (Mahsa), der sich mehrere Persönlichkeiten anschlossen, darunter Shirin Ebadi, die Friedensnobelpreisträgerin.
Er wurde 2023 bei einer Zeremonie in Ägypten, die von der saudischen Monarchie finanziert wurde, zum Kaiser Persiens gekrönt. In seinen öffentlichen Reden spricht er sich stets entschieden für Säkularismus und Demokratie aus. Allerdings hat er Persönlichkeiten in seinem Gefolge, die keinen Zweifel an seinen zukünftigen Handlungen zulassen. So der Anwalt Parviz Sabeti, ehemalige Nummer 2 der SAVAK und bewährter Folterer.
Kaiser Reza Pahlewi besuchte 2023 auf Einladung von Gila Gamliel, Israels Geheimdienstminister, zur Jahresfeier der «Schoa» (israelitische Bezeichnung der «Endlösung der jüdischen Frage»). Er traf sich mit Präsident Isaac Herzog und Premierminister Benjamin Netanjahu. Er teilte seinen Gesprächspartnern seinen Wunsch mit, freundschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Völkern wiederherzustellen, vergass aber dabei zu erwähnen, dass sein Vater auf Wunsch der Vereinigten Staaten unter Dwight Eisenhower und John Foster Dulles ein Abkommen mit Syrien unterzeichnet hatte, um den israelischen Expansionismus einzudämmen.
Seine Unterstützer gründen daraufhin die National Union for Democracy in Iran (NUFDI) in Los Angeles, wo er heute lebt, und die Tageszeitung Iran Watch, um die gesamte iranische Opposition zusammenzubringen. Nachdem er zweimal zur Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen wurde und die deutsche Regierung diese Einladungen abgesagt hat, organisiert er 2025 den «Konvergenzgipfel», an dem verschiedene kleine Gruppen (Neu-Iran, «Die Offenbarung des Iran», «Iranische Verfassungspartei/Liberaldemokraten», «Republikanische Gesellschaft zur Unterstützung von Prinz Reza Pahlavi», «Pan-Iranische Partei» usw.) am «Konvergenzgipfel» 2025 teilnehmen. «Paternalistisch-Iranischer Iran», «Volksinstitution», «Verfassungsorganisation» und «Omid-Institut"). Bei dieser Gelegenheit wurde er als «Führer der nationalen Revolution und der Übergangszeit bis zur Bildung des ersten nationalen Parlaments und zum Beginn einer demokratischen Regierung durch freie Wahlen» anerkannt.
Vom 18. bis 20. Februar 2025 wird Reza Pahlewi vom American Jewish Committee und etwa zwanzig pro-US- oder pro-israelischen Verbänden zum 17. Gipfel für Menschenrechte und Demokratie eingeladen. Dort begegnet er den wichtigsten jungen Mitarbeitern der CIA und des Mossad: den Russen Evgenia Kara-Murza und Gary Kasparov, den Venezolanern Maria Corina Machado und Edmundo González, den Chinesen Rahima Mahmut (Uygur) und Namkyi (Tibeter).
[Der ehemalige Premierminister Manuel Valls, der Anwalt Juan Branco, die Journalisten Annick Cojean und Caroline Fourest wurden bereits zu früheren Gipfeltreffen eingeladen].
Während der israelischen Bombardierungen im Juni 2025 zeigte er kein Mitgefühl für sein Volk, sondern begrüsste sie und sagte der BBC, es sei eine «beispiellose Gelegenheit, das Regime zu stürzen».
Eine dschihadistische Aggression
Da nach einem französischen Sprichwort ein Feind niemals allein kommt, schliesst sich nach den wirtschaftlichen Schlägen der Vereinigten Staaten und der pro-israelischen Monarchisten, nun auch noch Daesch an. Man denke daran, dass diese Terrororganisation von den Angelsachsen im Kontext der Rumsfeld-Cebrowski-Doktrin gegründet wurde. Es ging darum, den Nahen Osten neu zu gestalten, indem Bevölkerungen in homogene ethnische oder religiöse Gruppen aufgeteilt wurden. Das Pentagon trennte daraufhin al-Qaida, das die Einheit des Islam befürwortet, von Daesch, das sich der Vernichtung nicht-sunnitischer Muslime (und damit iranischer Schiiten) widmete.
Daesch hatte religiöse Minderheiten wie die Jesiden und ethnische Minderheiten wie die Kurden bevorzugt angegriffen. Die US-Unterstützung von Daesch endete zumindest auf Ebene des Weissen Hauses mit Donald Trumps Rede (während seiner ersten Amtszeit) in Riad am 21. Mai 2017. Tatsächlich fanden sich die Vereinigten Staaten und Iran wieder Seite an Seite im Kampf gegen terroristische Organisationen. Daesch begann dann sofort, sowohl die Vereinigten Staaten als auch den Iran anzugreifen. Am 7. Juni gab es einen Doppelangriff auf das iranische Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini (17 Tote und 52 Verwundete). Am 22. September 2018 gab es den Angriff in Ahvaz während einer Parade der Revolutionsgarden (29 Tote). Am 26. Oktober 2022 war es das Mausoleum von Shah-Cheragh (15 Tote und 40 Verwundete). Am 3. Januar 2024 ist es der Angriff von Kerman, anlässlich der Erinnerung an den Tod von General Qassem Soleimani (94 Tote, 284 Verwundete). Diesmal, im Jahr 2026, steckt Daesch während der Demonstrationen Gebäude im Stadtzentrum in Brand, was eine apokalyptische Atmosphäre erzeugt.
Ein Angriff durch ausländische Spezialeinheiten
Zu diesem Zeitpunkt begannen Scharfschützen, die auf Dächern stationiert waren, wahllos Ziele zu beschiessen, sowohl Demonstranten als auch Sicherheitskräfte. Das ist die «Dogfighting»-Strategie, die in den 1990er Jahren getestet und erfolgreich von Libyen bis zur Ukraine reproduziert wurde. Die Schützen sind möglicherweise Israelis iranischer Herkunft (es sind 250 000 in Israel), aber ich weiss es nicht. Solche Morde machen alle Parteien zu Feinden. Die terrorisierte Polizei verwandelt sie in Wilde.
Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl der Todesfälle von 1200 auf über 40 000.
Was Trump will und was er kann
Als die Massaker begannen, forderte Präsident Trump den Iran auf, seine eigenen Leute nicht mehr zu töten. Diese Botschaft, die für diejenigen, die die Verantwortung der Vereinigten Staaten und ihrer israelischen Verbündeten ignorieren, als gesunder Menschenverstand erscheint, hallt im gesamten Westen wider. Die öffentliche Meinung verlässt sich erneut auf die Vereinigten Staaten, den «Polizisten der Welt». Es ist daher eine ausgezeichnete Kommunikationsoperation für das Weisse Haus.
Präsident Trump weiss jedoch, dass er den Verlauf der Ereignisse nicht ändern kann. Irans Probleme sind auf soziologischer Ebene die blinde Verehrung der Bevölkerung für den Klerus und auf politischer Ebene die «Republik der Weisen», was zur Vervielfachung der Machtzentren und letztlich zur allgemeinen Lähmung der Macht geführt hat. Keines dieser beiden Probleme kann durch militärische Intervention, geschweige denn durch zeitlich begrenzte Luftangriffe gelöst werden.
Donald Trump nutzt daher die Situation, um die Themen anzusprechen, die ihn beschäftigen: Kernenergie und Raketen. Er weiss – und sein nationaler Geheimdienstdirektor hat dies bestätigt –, dass Iran seit 1988 kein militärisches Nuklearprogramm mehr hat, aber dass eine Fraktion der politischen Klasse will, dass Teheran Atomwaffen erwirbt, wie es Pjöngjang erfolgreich getan hat. Er weiss auch, dass Iran zwar das Recht hat – was Israel bestreitet – ballistische Raketen zu bauen, aber jetzt über Hyperschallraketen verfügt. Teheran nutzte sieben davon im zwölftägigen Krieg, um Israel damit zu treffen. Alle sieben haben ihr Ziel erreicht. Keine Flak konnte sie abfangen.
Deshalb diskutiert er diese beiden Themen mit den iranischen Behörden; zwei Themen, die nichts mit dem von ihm verurteilten Massaker zu tun haben und das alle Iraner ertragen haben.
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