Die Friedens- und Gesundheitsorganisation IPPNW kritisiert die geplante israelische Besatzung im Süden Libanons scharf. Eine militärisch kontrollierte Zone stehe einer dauerhaften friedlichen Lösung des Nahostkonflikts entgegen, heisst es in einer Stellungnahme. Die Organisation ruft die Bundesregierung auf, sich bei Israel für den sofortigen Abzug der Bodentruppen einzusetzen und von beiden Seiten die strikte Einhaltung der zehntägigen Waffenruhe zu verlangen.
Laut Medienberichten hat die israelische Armee den von ihr kontrollierten Südlibanon in drei Abschnitte unterteilt. Die sogenannte «gelbe Linie» verläuft sechs bis zehn Kilometer von der Grenze entfernt und umfasst 55 libanesische Dörfer. Den Bewohnerinnen und Bewohnern wird die Rückkehr in diese Gebiete verwehrt. Israel behält sich dort militärische Aktivitäten vor, darunter Sprengungen von Häusern, Räumungsaktionen und Schüsse aus Panzern. Die «rote Linie» betrifft die direkt an der Grenze liegenden Dörfer, wo bereits die meisten Gebäude zerstört sind. Eine dritte Zone reicht bis zum Litani-Fluss, etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Dort soll die Kontrolle durch Feuerkraft und Beobachtungsposten sichergestellt werden.
IPPNW-Vorstandsmitglied Dr. Uwe Trieschmann betont, dass kritische Worte allein nicht genügen. Die deutsche Politik müsse mehr Druck ausüben. Gleichzeitig fordert die Organisation die Bundesregierung auf, beim Treffen des Rates für Auswärtige Angelegenheiten der EU für die Aussetzung des Assoziationsabkommens mit Israel zu stimmen. Grund seien anhaltende Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen in Gaza, dem Westjordanland und dem Libanon. Eine europäische Bürgerinitiative für die Aussetzung des Abkommens hat bereits in zehn EU-Staaten die nötige Unterschriftenzahl erreicht. Vor vier Tagen sprach sich auch das niederländische Parlament dafür aus.