Israelische Siedler nutzen Wasser als Waffe
Palästinenser im Westjordanland verlieren lebenswichtige Quellen

 Israelische Siedler greifen im Westjordanland vermehrt Wasserquellen und -infrastruktur an und zwingen palästinensische Gemeinden zum Verlassen ihres Landes. Laut UN-Angaben (OCHA) richteten sich 2025 von über 1000 Siedlerangriffen mehr als 350 gegen Wasserquellen – fast ein Angriff pro Tag. Betroffen sind unter anderem die Quellen von Ein Samiya (bei Ramallah), Yatta (Süd-Hebron-Berge) und Ain al-Auja bei Jericho.

Khaled Miqarqir aus al-Auja berichtet, Siedler hätten die für Bananen- und Gemüseanbau genutzte Quelle umgeleitet. «Wenn das so weitergeht, dürfen wir bald kaum mehr trinken», sagte er gegenüber Mondoweiss. Viele Bauern wechseln nun zu wenig wasserintensiven Dattelpalmen, doch die Erträge bleiben unsicher. Die beduinische Gemeinde Ras Ain al-Auja mit rund 600 Personen wurde im Januar 2026 nach monatelanger Belästigung vertrieben.

Aktivisten wie Fares Fuqaha und Ingenieur Ihab Sweiti von der palästinensischen Wasserbehörde sprechen von strategischen Angriffen in Siedlungsausbau-Gebieten. Die Wasserversorgung für Palästinenser im Jordantal sei auf etwa 20 Prozent des Vorkriegsniveaus gesunken. Palästinenser verbrauchten vor Oktober 2023 durchschnittlich 80 Liter pro Tag, Israelis bis zu 240 Liter. Die israelische Armee greife nur zögerlich ein, heisst es.

Kritiker sehen darin einen Versuch, palästinensische Landwirtschaft und Präsenz zu schwächen. Israelische Stellen verweisen hingegen auf Sicherheitsbedürfnisse und eigene Wasserrechte. Der Konflikt um die lebenswichtige Ressource verschärft sich mit dem bevorstehenden Sommer.