Wie zeigt man heute, dass man der tollste Hecht ist im Karpfenteich? Dicke Autos sind out, mehr als die Hälfte der Menschen machen einen Studienabschluss, Auslandsreisen sind nichts besonderes mehr. Womit kann man noch punkten, wenn man seinen hohen Status demonstrieren will? Sind Luxus-Überzeugungen die neue soziale Währung geworden? Solche, die nett klingen, Reiche wenig betreffen, aber weiter unten auf der sozialen Leiter massiven Schaden anrichten?
Sind Transfrauen wirklich Frauen oder doch nur Männer in Stöckelschuhen? Während Handwerker oder andere bodenständige Leute in überwiegender Zahl Menschen mit Penis als Männer sehen, wird das umso schwammiger, je weiter man auf der sozialen Leiter nach oben klettert. An den Eliteuniversitäten ist die vorherrschende Meinung dann: Jeder ist das, als was er sich fühlt. Wer das Geschlecht an Hoden oder Chromosomen festmacht, ist ein böser Mensch. Diese Meinung zu vertreten, gilt als progressiv und cool und tut den Eliten nicht weh. Schaden richtet sie bei den Unterprivilegierten an, nicht in den eigenen Kreisen.
Der Begriff der «Luxury beliefs» (Luxusüberzeugungen) wurde von Rob Henderson geprägt. (Siehe dazu: Unbedingte Leseempfehlung: Troubled) Henderson kommt von ganz unten und studierte später sowohl an der amerikanischen Eliteuniversität Yale als auch im englischen Cambridge. Dort traf er auf Ansichten, die ihn nur staunen liessen. Sein Aha-Moment war, als seine privilegierten Mitstudenten, die fast ausschliesslich mit zwei Elternteilen aufgewachsen waren und auch ihre eigene Zukunft mit Ehepartner planten, munter behaupteten, alle sexuellen Lebensformen seien gleichwertig und Ehe ein völlig überholtes Konzept. Henderson, der selbst von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht worden war, dessen Adoptivfamilie zerbrach und der unter dieser Instabilität brutal gelitten hatte, fragte sich, was hier los war. Wie kann man ernsthaft behaupten, eine stabile Familie sei gleich gut wie ständig wechselnde Sexualpartner der alleinerziehenden Mutter bei abwesendem Vater? Was war da los?
Henderson hatte sein Forschungsfeld gefunden: Ansichten von Eliten, die nett klingen und vorgeblich den Unterprivilegierten und Marginalisierten helfen sollen, armen Menschen in Wirklichkeit aber massiv schaden. Und das, während die Eliten selbst durch ihren Reichtum und Status vor den Konsequenzen dieser Forderungen geschützt werden. Er wollte wissen: Gibt es solche Luxusüberzeugungen auf mehreren Gebieten und was denken sich diese einflussreichen Leute eigentlich dabei?
Henderson machte viele Bereiche aus. Illegale Immigration, Drogenlegalisierung, eine kritische Haltung gegenüber der Polizei sind Bereiche, wo auf den ersten Blick klar ist, warum das armen Menschen schadet, Reiche aber wenig betrifft. Die Ansicht gegenüber Transsexualität klingt aber auf den ersten Blick nicht so, als wäre das eine Frage der sozialen Klasse. Oder doch?
Bei der Trans-Ideologie fordern biologisch männliche Wesen, die sich weiblich definieren, lautstark Zutritt zu allen Frauenräumen. Diese biologisch männlichen Wesen als Männer zu bezeichnen ist in Deutschland bei Strafandrohung von bis zu 10 000 € verboten.
«Transfrauen sind Frauen,» ist ein Spruch, der vor allem bei den woken Eliten populär ist. Sie behaupten, das Einzige, was ein Mann tun muss, um eine Frau zu werden, ist es, den magischen Satz zu sagen: Ich bin eine Frau. Und simsalabim, da steht sie, die neue Frau. Und wehe, irgendwer erhebt da Einsprüche. Der ist mindestens rechtsradikal und obendrein ein gemeiner, böser Mensch, der Mehrfachmarginalisierte aus der Gesellschaft ausschliessen will und möchte, dass Transfrauen aufhören zu existieren. Wer auf einem Uni-Campus sagt, eine Frau sei ein weiblicher erwachsener Mensch, der kann erleben, was ein Shitstorm ist.
So viele Eliten haben das so lange wiederholt, bis der Gedanke in Gesetzesform gegossen wurde: Jeder Mensch kann selbst bestimmen, welchem Geschlecht er angehört. Kurzer Besuch auf der Gemeinde, kleine Unterschrift und schon ist sie da, die freie Selbstbestimmung. Klingt doch nett und inklusiv, oder?
Auslöffeln müssen die Suppe andere, die weniger privilegiert sind. Strafgefangene Frauen zum Beispiel, die mit männlichen Vergewaltigern duschen oder gar eine Zelle teilen müssen, wenn diese behaupten, sich weiblich zu fühlen. Frauen in Obdachlosenunterkünften, in Frauenhäusern, in der Psychiatrie. Angestellte, die in Sammelumkleiden dazu gezwungen werden, sich vor männlich bestückten, aber weiblich definierten Kollegen auszuziehen. Und denen erklärt wird, sie sollten sich mal weiterbilden, wenn sie das nicht wollen.
Haben die «Transfrauen sind Frauen»-Chöre das wirklich zu Ende gedacht? Leider gibt es in Deutschland keine konkreten Zahlen, aber klar ist: In jedem einzelnen Bundesland sitzen «Frauen» mit Penis im Frauengefängnis. Aus Kanada und Grossbritannien ist bekannt, dass dies zu fast zwei Dritteln Sexualstraftäter sind (gegenüber 20% Sexualstraftätern bei «normalen» männlichen Strafgefangenen).
Es gibt Frauen, die in ihrer Gefängniszelle vergewaltigt wurden, von solchen «Frauen». Es gibt Schwangerschaften. Es gibt Übergriffe auf die weiblichen Gefängniswärterinnen. Ist das wirklich inklusiv und nett? Beschweren dürfen sich die gefangenen Frauen übrigens nicht. Wenn sie sagen, der Vergewaltiger mit seinem Penis sei ein Mann, bekommen sie Probleme. Sie müssen von ihrem Peiniger immer in der weiblichen Person sprechen. Steht so im Selbstbestimmungsgesetz.
Auch ausziehen muss man sich vor Transfrauen ohne Murren. McDonalds hat in Berlin gerade einen Prozess verloren – wegen Diskriminierung. Sie haben nicht das Recht, einem weiblich definierten Penisträger einen eigenen Raum zum Umkleiden zuzuweisen. Er hat dagegen das Recht, den anderen Frauen beim Umkleiden zuzuschauen und sich vor ihnen zu entblössen. Wenn die Frauen das nicht wollen, sind sie das Problem. McDonalds hätte das den Arbeiterinnen unter Androhung von Kündigung klarmachen müssen und durchsetzen, dass sie sich vor ihm ausziehen – ohne abwertende Bemerkungen.
Beispiele könnte man noch seitenweise auflisten. Aber die Frage ist ja: Trifft das die weiter unten härter als die Eliten? Die Antwort ist ganz klar: Ja. Wer auf eine Elite-Uni geht, kommt sehr selten ins Gefängnis. Auch ins Frauenhaus flüchten sich nur Frauen, die nirgendwo anders hinkönnen. In Obdachlosenunterkünfte werden Reiche nie einen Fuss setzen. Selbst Sammelumkleiden in der Arbeitsstelle betreffen nicht das Top-Management. Spitzensportlerinnen, die nach jahrelangem Training von mittelbegabten XY-Chromosomenträgern überholt werden, ok, das ist vielleicht nicht direkt eine Frage der Schicht, trifft aber Elitestudenten doch wenig.
Warum aber ist es so schick, zu behaupten, es gäbe keinen Unterschied zwischen Frauen und männlichen Personen in Stöckelschuhen?
Gut ausgebildete Frauen haben ein Interesse daran, nicht als das «schwache Geschlecht» wahrgenommen zu werden. In ihrer Welt verhalten sich die Männer überwiegend zivilisiert (zumindest nach aussen) und sind extrem bemüht, nicht als sexuell übergriffig aufzutreten. #meetoo sitzt den Männern der oberen Etagen tief in den Knochen. Die Bedrohung durch sexualisierte Gewalt ist für privilegierte Frauen schlichtweg kleiner. Schminkt sich ein Kollege die Lippen, hat das wenig Auswirkungen auf sie persönlich.
Ärztinnen und Rechtsanwältinnen profitieren davon, den biologischen Unterschied zwischen sich und den männlichen Kollegen herunterzuspielen. Sie wollen genau all die Privilegien haben, die früher Männern vorbehalten waren. Den kleinen Unterschied können sie gar nicht klein genug reden. Daher spielt die Trans-Ideologie in ihre Taschen. Wenn Geschlecht etwas Fluides ist, etwas Unscharfes, an die momentane Befindlichkeit Gebundenes, ja, dann kann es sie ja auch beim nächsten Karriereschritt nicht mehr zurückhalten.
«Transfrauen sind Frauen», ist ein Slogan, der gut ausgebildeten Frauen wenig schadet, letztlich nutzt ihnen das Aufweichen des Geschlechtsbegriffes sogar. Sie können sich als nett, progressiv und freundlich outen, den Preis zahlen andere. Männern kann die Sache mit der Trans-Ideologie sowieso egal sein. Nie werden sie von einem männlich definierten Mädchen im Sport geschlagen oder körperlich angegangen werden. Für sie ist Trans-Ideologie eh eine gratis Ansicht.
Wissen die Eliten, was sie da anrichten? Achtzig Prozent denken nach Hendersons Studien überhaupt nicht über die Konsequenzen ihrer Forderungen nach (den Eindruck könnte man in Deutschland auf vielen Gebieten haben). Sie übernehmen einfach den gerade angesagten Gedanken, wenn er freundlich klingt und ihnen nicht unmittelbar schadet. Die anderen zwanzig Prozent schieben die negativen Auswirkungen als Einzelfälle beiseite, mit denen man immer rechnen muss. Wo gehobelt wird, fallen Späne oder so.
Nach seiner Einschätzung gibt es allerdings auch einen kleinen zynischen Teil, die wissen, was sie fordern. Die werden das aber bei soziologischen Studien nicht offenlegen. «Ja, ich vertrete Transideologie, weil es gesellschaftlich der einfachste Weg ist und ich bin es ja nicht, der dann im Gefängnis vergewaltigt wird,» ist kein Satz, von dem er erwartet, ihn je offen in einem Interview zu hören.
Was ist an Hendersons Ansatz neu? Es ist ja hinlänglich bekannt, dass Leute, die für Flugverbote zum Klimaschutz kämpfen, selbst gerne nach Bali fliegen, oder dass Menschen, die offene Grenzen fordern, die Obdachlosenunterkunft aber bitte nicht im eigenen Park vor der Haustür haben wollen. Neu ist es, die Motivation hinter diesen Ansichten zu hinterfragen. Warum vertreten diese Leute solche Positionen? Liegt es daran, dass dies ein relativ leichter Weg ist, sich selbst als Oberschicht zu definieren?
Laut Henderson will jemand, der das Wort «Cis-Heteronormativität» verwendet, nicht wirklich die Realität von Geschlechtsbildern diskutieren, sondern sagen: Ich gehöre zur Elite. Ich habe Zeit, mich mit Gedanken zu beschäftigen, die keinerlei Zusammenhang mit meinen täglichen Problemen haben. Ich kann schwierige Worte flüssig aussprechen. Ich bin nett und inklusiv. Ich bin viel besser als du.
Und warum ist dieser Gedanke so interessant? Status erhält man dafür, sozial zu erscheinen. Bis jetzt erscheint man als freundlich, wenn man Luxusüberzeugungen äussert. Also werden sie landauf landab vertreten. Woke Menschen sehen Vertreter von «Transinklusion» als gute und sozial gerechte Menschen an. Die Gegenseite glaubt ihnen ihre guten Absichten, hält sie aber für doof, weil sie nicht zu Ende denken, was es bedeutet, Männer auf Frauen loszulassen, Deutschland zu deindustrialisieren, Familienwerte abzuschaffen oder die Grenzen aufzumachen.
Gut und richtungsweisend oder wohlmeinend, aber etwas unterbelichtet, das sind die gängigen Meinungen. Bis jetzt nimmt man den Vertretern ihre vor sich hergetragene Moral ab. Sollte sich nun aber die Sichtweise durchsetzen, dass hier gerade jemand versucht, selbst ein soziales Treppchen höher zu steigen und die da unten sie einen Teufel schert, dann dürften diese zur Schau gestellten Ansichten schnell an Popularität verlieren. Wer würde ernsthaft Trans-Ideologie vertreten, wenn das nicht schick wäre? Oder Massenimmigration? Ganz ernsthaft, selbst bei sozialem Gegenwind?
Henderson wurde jedenfalls erstmal bedeutet, bei all seiner Brillanz könne er mit diesen Thesen keine Professur an einer guten Universität erhalten. Offenbar sieht die Elite ihre Motivationen nicht gerne in der Öffentlichkeit diskutiert. Da richten sie lieber noch eine weitere Professur für Gender-Studien ein. Kämpfen für das Gute und Gerechte. Ehrlich?