Sinkende Grundwasserspiegel, versiegende Quellen und ungenügende Bewässerung für die Felder bedrohten die landwirtschaftliche Produktion und die Trinkwasserversorgung. Statt auf staatliche Grossprojekte zu warten, setzte die Dorfversammlung auf eigene Initiativen, die traditionelles Wissen mit gemeinschaftlicher Organisation verbinden.
Kernstück der Massnahmen sind die sogenannten «Ollas de captación» – grössere Regenwasserauffang- und Infiltrationsbecken. Diese Anlagen werden strategisch an Orten gebaut, wo das Wasser natürlich fliesst und wo das lokale Wissen über das Territorium Quellen und Fliessrichtungen vermutet. Die Gemeinde wählte die Standorte in den Barrios wie Lindavista, 3 de Mayo, Libertad, Candelaria und El Pedregal aus. Ziel ist nicht nur die Sammlung von Wasser, sondern vor allem die gezielte Versickerung, um die Grundwasserleiter (Mantos freáticos) lokal und regional wieder aufzufüllen. Dadurch sollen Brunnen für die Landwirtschaft und tiefere Bohrungen für den menschlichen Verbrauch nachhaltig gespeist werden.
Die Umsetzung erfolgt weitgehend durch die eigene Kraft der Gemeinschaft. Unter der Koordination der «Autoridad de Bienes Comunales» – dem gewählten Rat für das Gemeinschaftsland – und mit Beteiligung des Concejo de Vigilancia, des Bauausschusses und des Bürgerrats organisieren die Bewohnerinnen und Bewohner die Arbeiten. Zentral dabei ist der «Tequio», die traditionelle freiwillige Gemeinschaftsarbeit zum Wohl aller. Männer, Frauen und oft auch Jugendliche und Kinder beteiligen sich organisiert nach Nachbarschaften. Sie säubern das Gelände, graben die Becken aus und bauen die Infrastruktur. Dank dieser kollektiven Anstrengung konnten deutlich mehr Ollas realisiert werden, als ursprünglich mit externen Mitteln geplant war. Die Gemeinde hat so ihre Autonomie gestärkt und zeigt, dass lokale Lösungen wirksam sind.
Neben dem Bau der Becken pflegen die Einheimischen ihre Quellen, üben eine nachhaltige Landwirtschaft und forsten ihr Gebiet auf, um Erosion zu verhindern und den Wasserkreislauf zu stabilisieren. Die Entscheidungen fallen in der Gemeindeversammlung demokratisch. Dies stärkt nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch das kollektive Bewusstsein für Wasser als gemeinsames Gut. Interviews und Berichte, etwa mit Vertretern des Foro Oaxaqueño del Agua, unterstreichen, dass diese Ansätze – verwurzelt in der indigenen Kultur – resilienter sind als viele zentrale Programme. Die Ollas haben bereits spürbare Erfolge gezeigt: Bessere Infiltration der Regenfälle und stabilere Brunnen in trockenen Perioden.
Das Projekt in San Dionisio Ocotepec dient als Vorbild für andere indigene Gemeinden in Oaxaca und Lateinamerika. Es verbindet kulturelle Identität mit praktischem Klimaschutz. In Zeiten, in denen viele Regionen mit Wasserknappheit ringen, beweist die Gemeinde, dass traditionelle Strukturen wie der Tequio und lokales Wissen moderne Herausforderungen meistern können. Die fortlaufenden Arbeiten werden weiterhin durch Gemeinschaftsbeschlüsse getragen, mit dem Ziel, die landwirtschaftliche Produktion und die Lebensgrundlage langfristig zu sichern.