Der Krieg im Jemen ist wieder voll entbrannt. In der Nacht zum Dienstag bombardierte die saudische Luftwaffe Ziele in der Provinz Saada, der Hochburg der Ansarollah. Weitere Angriffe trafen Gebiete im Norden und an der Rotmeerküste. Die Angriffe erfolgten kurz nach Luftschutzsirenen in Riad am Montagabend, als Einwohner von Explosionen berichteten. Die Ansarollah erklärten, sie hätten unter anderem den König-Khalid-Flughafen in Riad erneut mit einer Rakete beschossen. Saudi-Arabien meldete, Raketen seien in Riad und in Khamis Muschait abgefangen worden.
Letzten Samstag hatte ein Angriff auf den Flughafen Riad mindestens 13 Menschen getötet und rund 300 verletzt – der schwerste Angriff auf das Königreich seit etwa zehn Jahren. Der Luftverkehr bleibt bis Samstagnacht eingestellt; fast 1500 Flüge wurden gestrichen. Die saudisch geführte Koalition warnte Zivilisten nahe einer Ölanlage in Sanaa vor einem bevorstehenden Angriff. Die Ansarollah drohten ihrerseits mit einer harten Reaktion.
Seit 2022 hatte de facto ein Waffenstillstand gegolten. Dieser endete am 13. Juli, als saudische Jets den Flughafen Sanaa angriffen, um die Landung eines iranischen Flugzeugs mit einer Ansarollah-Delegation zu verhindern. Israel sucht laut «Haaretz» über US-Vermittlung die Zustimmung Riads für eine Beteiligung an der Bombenkampagne gegen die Ansarollah. Kronprinz Mohammed bin Salman lehnt dies jedoch ab – nicht aus Prinzip, sondern weil ein solches Bündnis in der saudischen Öffentlichkeit auf massiven Widerstand stossen würde. Analysten warnen, ein offenes Bündnis mit Israel könnte die Herrschaft des Hauses Saud gefährden. Gleichzeitig soll die Annäherung den Weg zu einem künftigen Normalisierungsabkommen ebnen, das nach dem 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg auf Eis gelegt worden war.