In diesem Sommer der Utopien, wie ihn Christa Dregger initiiert hat, ist vieles möglich. Nicht nur die Welt ist ausser Rand und Band. Die Vorstellungskraft kann es auch sein. Per se kann sie alle Grenzen überwinden, auch die, bestimmte Ideen und Gedanken loszulassen, die uns das Leben schwer machen.
In unseren Köpfen spielt sich ab, was zu unserer Realität wird. Nichts entsteht, was nicht vorher als Idee da war. «Ich kann das nicht». «Das ist unmöglich». «Ich bin nicht gut genug», «Ich bin schwach», «Ich bin es nicht wert». Diese Glaubenssätze prägen unser Leben tief und beeinflussen nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern auch unser Verhalten, unsere Entscheidungen, unsere Körperreaktionen und unsere sozialen Beziehungen.
Einer der wichtigsten Mechanismen hierbei sind die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Wer glaubt, dass er sowieso verlassen wird, wird besonders vorsichtig und misstrauisch, zeigt sich emotional weniger, provoziert damit die Distanz des Gegenübers und lässt weniger Nähe entstehen. So hat sich die Prophezeiung erfüllt.
Wir ziehen regelrecht magisch an, was wir fürchten. Wer seine Aufmerksamkeit vor allem dorthin schickt, was er nicht will, bekommt genau das. «Immer ich. Immer passiert mir sowas». Das ist nicht immer Pech, sondern ein psychologischer, biologischer und neurochemischer Prozess, den wir durchaus beeinflussen können.
Glaubenssätze bestärken bestimmte Aufmerksamkeitsfilter und führen zu bestimmten Interpretationen von Ereignissen, Emotionen und körperlichen Reaktionen. Diese wiederum beeinflussen unsere Entscheidungen, unser Verhalten und unsere Reaktionen auf die Umwelt und führen zu bestimmten Erfahrungen, die sich ins Gedächtnis einprägen und den Glaubenssatz entsprechend stärken.
Um aus dieser Mühle herauszukommen, braucht es neue Erfahrungen, neue Interpretationen, neue Verhaltensweisen, neue Konsequenzen und ein neues Lernen. Ein Gedanke allein reicht nicht aus, etwa mehr Geld auf dem Konto zu haben. Gedanken können jedoch die Wahrscheinlichkeit bestimmter Ergebnisse beeinflussen, indem sie Wahrnehmung, Motivation, Entscheidungen, Verhalten und soziale Interaktionen verändern.
Mehr als ein Sommernachtstraum
Wer glaubt, dass er nicht gut genug ist, ändert sich nicht, wenn er sich versucht einzureden, grossartig und perfekt zu sein. Das kann seine Lage sogar noch verschlimmern. Wer sich hingegen sagt, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen und Schwächen zu haben, wer sich also auf die negativen Gefühle einlässt und nicht versucht, sie zu verdrängen oder schönzureden, der schenkt sich die Möglichkeit, dass sich etwas ändert.
Wie geht das spielerisch und leicht? fragt die Theologin Sabine Bobert. Das Problem wird nicht verdrängt. Die Situation ist verfahren. Es tut weh. Wir finden keine Lösung. Doch die Frage können wir uns auch in einer komplexen und unübersichtlichen Welt stellen, die wir nicht einfach erleben, wie sie ist, sondern geprägt durch unser ständig lernendes Vorhersage- und Interpretationssystem.
Der Weg aus der Schleife heraus führt über verschiedene Etappen: das Erkennen des Glaubenssatzes und des Auslösers, das Überprüfen der Interpretation, das Wahrnehmen der Körperreaktionen und schliesslich die Frage: «Was wäre, wenn ich diesen Glaubenssatz nicht hätte?»
Was wäre, wenn wir nicht glauben würden, wir hätten keine Wahl, sondern erkennen, dass wir Möglichkeiten haben? Sie sind nicht unbedingt bequem. Aber es gibt sie. Wie wäre es also, wenn wir es uns erlauben würden, neue Erfahrungen zu machen, wenn wir unserem Nervensystem gewissermassen einmal kurz dazwischenfunken?
Wie im Märchen
Es ist in Ordnung, wenn die Atmung flacher wird und der Herzschlag schneller, wenn die Muskeln sich anspannen, wir ins Schwitzen kommen, ein Druckgefühl in Brust- und Bauchbereich spüren und innerlich unruhig sind. Welche Symptome der Körper auch entwickelt: es ist okay. Dann kommt der Zauberstab ins Spiel, der den immergleichen Ablauf unterbricht.
Es ist wie ein kurzes Japsen nach Luft: Was wäre, wenn hier gerade nichts gegen mich gerichtet ist? Nur mal so gedacht. Wie wäre es, wenn für mich gerade keine Gefahr bestünde? Die Dinge sind einfach mal so da und kommen für einen Moment ohne meine Interpretationen und Analysen aus.
Es fühlt sich noch wackelig an. Aber es geht. «Ich muss hier gar nichts». Ich muss nichts beweisen. Nichts rechtfertigen. Nichts bewerkstelligen, nicht gefallen, niemandem zu Diensten sein, nicht toll aussehen, nicht verführen, niemanden überzeugen, nicht stark sein. Ich bin einfach mal hier, Leben unter Leben, das leben will.
Das ist Urlaub! Da ist nichts mehr, nur noch der Zauberstab. Wie geht das spielerisch und leicht? Einfach atmen. Leben fliessen lassen, pulsieren, vibrieren. Vertrauen spüren. Langsam in die Hingabe gleiten. Bilder kommen lassen. Was wünsche ich mir? Es nicht nur sehen, sondern es fühlen, so, als sei es schon da. Ganz wirklich. Wohlig. Wunderschön. Und es dann kommen lassen.