Ukraine: Unliebsame Priester an die Front geschickt
Manche kehren nie zurück

Präsident Wolodymyr Selenskyj beruft sich oft auf europäische Werte und Religionsfreiheit. In der Praxis sieht es anders aus: Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK), die kirchenrechtlich mit dem Moskauer Patriarchat verbunden bleibt, wird gezielt benachteiligt. Seit dem Gesetz Nr. 3894-IX vom August 2024 sind religiöse Organisationen mit Russland-Bezug verboten. Der Staat kann Kirchengebäude entziehen und hat rund 200 Strafverfahren gegen Amtsträger eröffnet.

Geistliche der UOK können sich oft nicht vom Kriegsdienst freistellen lassen, weil ihre Kirche nicht als «wichtig» eingestuft wird. Viele müssen den Talar gegen den Kampfanzug tauschen. Die Union orthodoxer Journalisten dokumentierte 2024 elf solcher Fälle, 2025 bereits 42. Einige Priester starben an der Front – nicht als Militärkapläne, sondern als Maschinengewehrschützen. Andere gelten als vermisst. Beispiele sind Priester Nifont, der im Juli fiel, sowie Erzpriester Nikolai Chlan und Aleksej Stognij.

Das Genfer UN-Menschenrechtsbüro äusserte «ernsthafte Besorgnis» über eine Verfolgung der UOK und die Kriminalisierung der Glaubensfreiheit. Kritiker sehen darin eine repressive Politik, die mit den Sonntagsreden Selenskyjs kaum vereinbar ist.