Die Links-Rechts-Macht-Schach-Politik generiert Mehrheiten, denen es - ähnlich wie beispielsweise beim Fussball - vor allem ums Gewinnen geht. Im Reagenzglas der parlamentarischen Parteiendemokratie scheinen dabei bei ihren medienwirksam ausgeschlachteten Kämpfen auch in der Schweiz regierend Verantwortliche zunehmend von einem Verhalten geprägt, das weder der Vernunft noch einem Volkswillen entspricht. Deshalb jagt unter anderem ein Referendum das nächste. Oft herrschen Chaos und Handlungsunfähigkeit. Und hinter den Kulissen können de facto Mächtige ohne Verantwortung das Zepter übernehmen. Was ich sowohl im Kleinen als Lokalpolitiker von innen als auch im Grossen als Beobachter von aussen so wahrnehme.
Zum Glück werden es immer mehr, die in unserer Welt mit einer fundamental anderen Politik unterwegs sind. Als Botschafter für eine Neue Politik gehöre ich dazu.
Aktuell, immer wieder und konkret auch im Zusammenhang mit dem Thema «Vom Wissen ins Tun kommen», setze ich mich mit der Situation auseinander, dass und wie es im Wandel im Prinzip zwei Projekt-Typen gibt. Mindestens neun von zehn Projekten, denen ich beispielsweise im Rahmen meines Europäischen Netzwerks «Bildung & Raum» begegne, entsprechen - wenn sie überhaupt vom Wissen ins Tun kommen - dem Modell «Change»: Bestehendes im gewohnten System optimieren (Typ 1).
Und höchstens eines von zehn Projekten entspricht dem Modell «Transformation»: mit und in einem grundsätzlich anderen System fundamental Neues wagen (Typ 2). Projekte vom Typ 1 sind zwar oft und mit viel Aufwand gut gemeint, aber in Tat, Wahrheit und Wirkung manchmal eher das Gegenteil. Als Hoffnungsträger für eine andere Welt sehe ich vor allem Projekte vom Typ 2.
Unterwegs mit einem Christus-Bewusstsein
«Jesus kam nicht, um die bestehenden Systeme dieser Welt zu erhalten. Er kam, um sie zu zerlegen», hält der Palästinenser Sami Awad fest. «Er war nicht daran interessiert, Institutionen aufzubauen, sondern Bewusstsein zu wecken. Seine Botschaft verstärkte keine Hierarchien und keine Kontrollstrukturen. Sie lud zu einer radikalen Verwandlung ein – zu einer Art des Seins, die alle von Menschen gezogenen Grenzen sprengte. Er störte religiöse Normen, widersetzte sich politischen Autoritäten, entlarvte das Patriarchat und definierte Gerechtigkeit neu: nicht als blosse Einhaltung von Gesetzen, sondern als gelebte Liebe, Menschlichkeit und Gerechtigkeit.»
Raum schaffen und Raum halten: Anregung für eine Praxis zu zweit
Stille zum Ankommen.
Fragen: Was ist Dir in unserem Miteinander wichtig? Was soll ich über Dich wissen?
Start: Person B spricht, Person A hört zu (5 Minuten).
Kurze Pause.
Wechsel: Person A spricht, Person 5 hört zu (5 Minuten).
Da capo: Jede Person hört oder spricht zweimal.
Organisiert Euch!
«Organisiert Euch – Jetzt!» proklamiert Tom-Oliver Regenauer in seiner Empfehlung für die Denkschrift für eine selbstbestimmte Ordnung von Tina Ovalle und Silvia Lorenz. «Der Beginn einer selbstbestimmten Ordnung wird nicht durch ein spezifisches Event, das Hissen einer Flagge, eine existentielle Krise, einen Startschuss oder neuen Helden eingeläutet, sondern von uns selbst. Von Einzelpersonen, Familien, Nachbarschaften, kleinen Projekten, Genossenschaften, lokalen Zusammenschlüssen und autarken Systemen, die sich staatlicher Aufsicht und Einflussnahme entziehen. Von Menschen, die ihre Vorstellungskraft konstruktiv nutzen. Von kleinen Impulsen – die das vorliegende Buch hoffentlich auch einer breiteren Leserschaft zu vermitteln vermag. Denn die darin beschriebenen Gedanken, Konzepte und Prozesse sind weder Träumerei noch illegal, sondern längst Realität.»
Da und offen sein
Mit und in den Füssen den Boden spüren.
Die Energie unserer Erde durch den Körper strömen lassen
und sich im und mit dem Rückgrat aufrichten:
aufrecht und aufrichtig, wahrhaftig und wirklich da sein.
Der Welt, wie sie ist, gewachsen sein und Stand halten.
Den Kopf für das Licht des Himmels öffnen, und
von Herzen mit Liebe vom Wissen ins Tun kommen.