Dann können wir ja auch gleich in den Kriegen mitmachen...
Zweifel an der Objektivität der Ausstellung «Wir und der Krieg» in Landesmuseum Zürich
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Sooo friedlich: Alpine Militäreinrichtung. Foto: zVg

Schweizer Neutralität ist ein Friedensvorbild – auch für mich als Deutsche. Doch – wie uns die Ausstellung im Landesmuseum Zürich nahebringt – richtig friedlich ging es auch hier nie zu. Es gab die Söldner mit den effektiven Hellebarden als nennenswerten Exportartikel des damals armen Bergvölkchens in alle Welt. Es gibt die durchaus wehrhaften nationalen Symbole Tell und Helvetia. Es gab Wehrsport, Waffenexporte, Kriegsgewinner, die Réduit im zweiten Weltkrieg, nachkriegsbedingte Aufstände, zu allen Zeiten Migration von Kriegsflüchtlingen in die Schweiz … kurz gesagt: Trotz aller Neutralität wurde die Schweiz durch Kriege beeinflusst und verändert. Was wollen uns die Ausstellungsmacher damit sagen? Vielleicht: Na, wenn das so ist, können wir ja auch gleich mitmischen in den Kriegen.

Wissen Sie was? Das ist pillepalle! Schauen Sie mal in deutsche Innenstädte und denken nach, warum fast alle so hässlich sind! Weil sie im Krieg zerbombt wurden. Warum sind so viele Deutsche so autoritätshörig, ängstlich und verschlossen? Weil wir noch das Kriegs- und Schuldtrauma unserer Eltern und Grosseltern abarbeiten. Unsere Regierungen haben es nämlich nicht geschafft, uns aus Kriegen herauszuhalten! Die Schweizer, trotz aller zugegeben unschönen Begleiterscheinungen, haben das immerhin hingekriegt.

Warum diese Ausstellung jetzt? Vielleicht weil in diesem Jahr über Neutralität abgestimmt werden soll? In einem interaktiven Neutralitätskompass sollen die Besucher der Ausstellung aus vorgefertigten Antworten wählen, was sie unter Neutralität verstehen. Darf ein neutrales Land Waffen verkaufen? Muss es unparteiisch sein, sich für Friedensverhandlungen einsetzen, Geflüchteten helfen? Geht´s noch? Wie weit noch kann man das eigene wertvollste und weltweit bewunderte Gut – die Neutralität – so relativieren, weichspülen und nivellieren?

Am Ausgang ein Video: Junge, sympathische Ukrainer und Ukrainerinnen aus Kiew ahmen Kriegsgeräusche nach – und fordern uns auf: Repeat after me! (Mach´s mir nach.) Fällt da wirklich niemandem die Einseitigkeit auf - oder darf man die Neutralität jetzt einfach so opfern? Denn das ist das Gegenteil von neutral. Warum wählt man hier nur Ukrainer aus Kiew - nicht auch Bewohner des Dombass? Oder Russen aus Moskau? Oder Menschen aus Gaza, Libanon, Iran und vielen Ländern, die nicht vom bösen Russen, sondern von vielen anderen aggressiv überfallen wurden?

Am Ende hat mich die Ausstellung lähmend müde gemacht. Müden? Warum? Weil ich mich zwei Stunden lang dagegen wehren musste, unauffällig und beharrlich in einen Meinungskorridor geschoben zu werden.

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Christa Dregger-Barthels

Christa Dregger-Barthels

Christa Dregger-Barthels (auch «Leila» Dregger), Redaktionsmitglied des Zeitpunkt, Buchautorin, Journalistin und Aktivistin. Sie lebt über 40 Jahre in Gemeinschaften, davon 18 Jahre in Tamera/Portugal - inzwischen wieder in Deutschland. Ihre Themengebiete sind Frieden, Gemeinschaft, Mann/Frau, Geist, Ökologie.

Weitere Projekte:

Biohotel Gut Nisdorf: www.gut-nisdorf.de

Terra Nova Begegnungsraum: www.terranova-begegnungsraum.de

Gerne empfehle ich Ihnen meine Podcast-Reihe TERRA NOVA:
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Darin bin ich im Gespräch mit Denkern, Philosophinnen, kreativen Geistern, Kulturschaffenden. Meine wichtigsten Fragen sind: Sind Menschheit und Erde noch heilbar? Welche Gedanken und Erfahrungen helfen dabei? 

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