Der Psychotherapeut Prof. Dr. Uwe Böschemeyer ist ein persönlicher Schüler Viktor Frankls, wurde 1980 von diesem zur Lehre und Praxis autorisiert und praktizierte lange in Hamburg. Seit 2012 leitet Böschemeyer das Institut für Existenzanalyse und Logotherapie in Salzburg. Er ist Autor zahlreicher Bücher und war Gast in vielen Rundfunk- und Fernsehsendungen. Sein neuestes Buch trägt den ansprechenden Titel: «Das Leben ist besser als sein Ruf» und darunter steht: «Von erfreulichen Möglichkeiten und was man daraus machen kann».
Jahrzehntelange Erfahrung als Psychotherapeut hat Böschemeyer gelehrt, was die Menschen umtreibt. Was sie glücklich und traurig macht, was sie belastet, und wie er ihnen helfen kann. Deshalb liest sich sein im März 2025 erschienenes Buch wie eine freundliche, gütige und weise Ermutigung, das Leben anzunehmen und es so zu schätzen, wie es einem nun einmal entgegentritt. Ausserdem hat er mit seinen 85 Jahren erfahren, dass wir Menschen uns auch ändern können. Es besteht also Hoffung in schwierigen Lagen. Da hält er sich gerne an den Satz seines Lehrers Viktor Frankl: «Mensch-Sein heisst, sich verändern können».
Hätte ich damals doch
Die meisten Menschen bereuen bestimmte Entscheidungen in ihrem Leben, z.B. hätte ich doch das Abitur gemacht, oder hätte ich doch auf den Rat meines Vaters gehört. Mit diesen Gedanken und Selbstbezichtigungen könne man sich das Leben schwer machen, so der erfahrene Therapeut. Aber eigentlich wisse man ja heute gar nicht mehr, ob man damals hätte anders entscheiden können und wollen. Unsere Bewertungen früherer Entscheidungen und Ereignisse seien von daher oft unangemessen, töricht und selbstquälerisch. Böschemeyer bringt jeweils anschauliche Beispiele aus seiner therapeutischen Praxis und auch aus seinem eigenen Leben ein. Der Leser spürt, dieser Autor weiss, wie schwer das Leben manchmal sein kann. Der Therapeut begegnet den Menschen auf Augenhöhe.
Vita brevis – das Leben ist kurz
Erfüllbare Wünsche solle man besser nicht aufschieben:
Wer keinen seiner Träume verwirklicht, dessen Seele wird irgendwann grau und müde oder resigniert.
Dazu gehöre es, dass man sich auch einmal an die Grenzen seiner Möglichkeiten vorwage. Auch das Unvernünftige habe Platz, das Lebendige, das unsere Bejahung von Leben vertiefe. Jeder habe in sich noch das ungebrochene, neugierige und offene Kind. Um sein Lebensglück wieder voll ausschöpfen zu können, sei es wichtig, dem «inneren Kind» wieder näher zu kommen. Dazu gehöre auch, manchmal etwas Unvernünftiges zu tun oder manchmal in den Tag hinein zu träumen.
Träume mit ihrer bildlhaften Symbolik machen Böschemeyer und seine Klienten auf die seelischen Knoten aufmerksam, die nach Veränderung und Erlösung rufen. Der Autor geht im Buch genauer darauf ein, was Träume uns vermitteln wollen. Die Methode der Werteimagination, mit der er Klienten ausserdem in die seelische Tiefe begleitet, ist ebenfalls hilfreich beim Erkennen von «Bildern des wartenden Lebens».
Heilung bedeute, dass man aufhören könne den bisherigen Lebensweg zu beklagen, darüber zu wüten oder ihn durchstreichen zu wollen. «Dann werde ich sagen: Das waren meine Wege. Das war mein Leben, durch das ich so wurde, wie ich bin.» Und Böschemeyer weiss aus der Erfahrung mit unzähligen Klienten: Die Tiefe der Seele ist hell und darunter scheint wahrscheinlich ein noch viel grösseres Licht. Durch Selbstannahme könne das Selbstwertgefühl wachsen.
Alles ist Leben
Die meisten Menschen sehnten sich nach Geborgenheit im Leben, nach innerer Heimat, nach tiefem Sinngefühl und möchten im Leben verwurzelt sein, stellt Böschemeyer immer wieder in seinen Therapiestunden fest. Dazu gehöre, dass man sein Leben so annimmt, wie es einem entgegenkommt, und es nicht immer wieder ablehnt und ständig anders haben will. Es gehe um die Weisheit, ein tiefes Ja zu dem Leben, in dem ich mich vorfinde, sagen zu können. Dazu dürfe man sich so gut wie möglich von dem verabschieden, was man selbst an sich nicht mag.
Ich darf mich mehr als bisher darauf besinnen, wie schön Leben ist.
Dabei unterstützt einen eine «positive Suchhaltung». Möglichst viel Freude sollte in die Seele einziehen können. Böschemeyer gibt zudem Anhaltspunkte, wie man an sich selbst arbeiten kann, um mehr Herzensbildung, Freundlichkeit, Dankbarkeit und Staunen-Lernen ins eigene Leben zu bringen.
Herausforderungen in der Liebe
Konflikte in Freundschaften und Familie sind für alle eine Herausforderung. Der Autor versteht es den Leser immer wieder anzurühren mit Weisheitssprüchen oder eigenen Gedichten. Zu verfahrenen Partnerschaften gibt er folgende poetische Anregung:
Manchmal vergisst der eine, dass auch der andere in der Beziehung einsam ist.
Manchmal vergisst der eine, dass auch der andere sich nichts sehnlicher wünscht als dies: verstanden zu werden.
Manchmal vergisst der eine, dass auch der andere Sehnsucht nach der Liebe hat, wie sie einmal war.
Manchmal vergisst der eine, dass auch der andere Sehnsucht nach dem Frieden hat, den es einmal gab.
Manchmal vergisst der eine, dass auch der andere sich nichts sehnlicher wünscht als dies: den anderen nicht zu verlieren.»
Wer Impulse braucht für mehr Selbstliebe, innere Ruhe und Freude, wer das Leben mehr annehmen und schätzen will, ist mit dem neuen Buch von Uwe Böschemeyer gut beraten.
Uwe Böschemeyer: Das Leben ist besser als sein Ruf. Von erfreulichen Möglichkeiten und was man daraus machen kann, 120 Seiten, gebunden mit Lesebändchen; Tyrolia-Verlag, Innsbruck Wien 2025; ISBN 978-3-7022-4263-3; € 20,–
Auch als E-Book erhältlich, ISBN 978-3-7022-4264-0, € 17,99
Video zur Buchvorstellung vom 11.03.2025 im Saal der Salzburger Nachrichten. Uwe Böschemeyer stellt sein neues Buch selbst vor.