Europas stille Finanzwaffe gegen Washington
Mit Billionen an US-Staatsanleihen könnte Europa die Zinsen in den USA treiben – und Trump empfindlich unter Druck setzen.

Europa verfügt über ein bislang wenig beachtetes, aber wirkungsvolles Druckmittel gegenüber den USA: seine grossen Bestände an amerikanischen Staatsanleihen.

Sieben europäische Länder halten zusammen US-Treasuries im Wert von rund 2,4 Billionen Euro – mehr als China. Schon geringe Signale eines möglichen Rückzugs könnten die US-Zinsen steigen lassen und damit Kredite, Hypotheken und Investitionen in den Vereinigten Staaten verteuern.

Nach Einschätzung der Ökonomin Rebecca Patterson liegt hierin eine zentrale Verwundbarkeit der US-Wirtschaft. Ein massiver Abverkauf gilt zwar als unrealistisch, doch bereits Ankündigungen grosser Investoren, ihre US-Anleihebestände zu überprüfen, könnten die Finanzmärkte verunsichern.

Beispiele sind der norwegische Staatsfonds oder grosse niederländische und skandinavische Pensionskassen. Die jüngste Entscheidung einer dänischen Pensionskasse, US-Staatsanleihen zu verkaufen, sorgte international für Aufmerksamkeit und zeigt die politische Signalwirkung solcher Schritte.

Patterson hält auch ein koordiniertes Vorgehen europäischer Investoren für denkbar, etwa durch gemeinsame Erklärungen. Unterstützt wird diese Einschätzung von Allianz Global Investors, die gezielte Marktunruhe als mögliches politisches Druckmittel sehen.

Dem stehen jedoch Risiken gegenüber: Steigende Renditen bedeuten Kursverluste, und institutionelle Anleger sind regulatorisch zur Renditeorientierung verpflichtet.

Ein weiteres Signal könnte von der Europäischen Zentralbank ausgehen. Schon eine vorsichtige Bemerkung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde über eine Neubewertung europäischer US-Engagements hätte laut Patterson erhebliche Marktwirkung.

Für Washington ist dies besonders heikel, da niedrige Zinsen ein zentrales Ziel der Wirtschaftspolitik sind – vor allem im Hinblick auf steigende Staatsverschuldung und das US-Wahljahr 2026.

Die Analyse zeigt: Europas Finanzmacht ist erheblich, ihr Einsatz jedoch politisch heikel. Ob Europa dieses Instrument nutzt, bleibt eine Abwägung zwischen geopolitischem Einfluss, wirtschaftlicher Stabilität und dem langfristigen Vertrauen in die transatlantischen Finanzmärkte.