Freiheit für Marwan Barghouti
Marwan Barghouti ist seit 23 Jahren in israelischen Gefängnissen unter unmenschlichen Bedingungen in Haft. In einem als unfair kritisierten Prozess wurde er zu fünf lebenslangen Haftstrafen verurteilt – auf der Grundlage von Anklagen, die er stets zurückgewiesen hat. Eine Kampagne setzt sich für seine Befreiung ein. In einem Podcast spricht sein Sohn Arab Barghouti über dessen «langen Weg zur Freiheit».
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Barghouti gilt als der palästinensische Nelson Mandela.

Während der Verhandlungen für den Waffenstillstand im Oktober war sein Name unter den palästinensischen Gefangenen, die Israel im Tausch gegen die Geiseln freilassen sollte, aber am Ende kam er nicht frei. Barghouti gilt vielen als Nelson Mandela des Nahen Ostens. Viele sind überzeugt, dass er die geeignete Führungspersönlichkeit sein könnte, der die palästinensischen Gruppierungen vereinen und ein anerkannter Gesprächspartner für die nächsten Schritte zu Friedensverhandlungen sein könnte. Genau deshalb fürchtet ihn die israelische Regierung. 

Der israelische Friedensaktivist und Verhandlungsführer Dr. Gershon Baskin schreibt: «Fast jeder israelische Politiker, der an Gesprächen mit Marwan Barghouti teilgenommen hat, hat bestätigt, dass er ein Anführer ist – ein Mann mit Werten, ehrlich und anständig, der Frieden mit Israel sucht und mit dem man zu einer Einigung kommen kann. Kürzlich habe ich Marwans Anwalt gefragt, ob Marwan sich weiterhin für den Frieden mit Israel einsetzt, und er bejahte dies. Es wäre unklug von Israel, untätig zu bleiben und abzuwarten, wie sich die Lage in unserem Hinterhof entwickelt. Ich schlage vor, politisch orientierte Gespräche mit Marwan im Gefängnis aufnehmen, um die Möglichkeit einer Einigung mit ihm und seine Freilassung aus dem Gefängnis in Abhängigkeit von den Fortschritten in den vorgeschlagenen Gesprächen zu prüfen.»

Ein Podcast des unabhängigen Magazins +972 beleuchtet das Leben und die Bedeutung von Marwan Barghouti.

Im Gespräch mit seinem Sohn Arab Barghouti wird Barghoutis politische Karriere, seine Inhaftierung und seine Rolle als potenzieller einigender Führer der Palästinenser thematisiert. Der Titel spielt auf den «langen Weg» zur palästinensischen Freiheit an, den Barghouti trotz über zwei Jahrzehnten Haft symbolisiert.

Der Podcast beginnt mit der massiven Inhaftierungspraxis Israels: Etwa 40 Prozent aller palästinensischen Männer in den besetzten Gebieten waren mindestens einmal inhaftiert – ein System, das als Werkzeug der Kontrolle dargestellt wird. Über 9.000 Palästinenser sitzen derzeit in israelischen Gefängnissen und Militärhaftzentren, viele ohne Anklage oder Gerichtsverfahren (administrative Haft). Im Oktober 2025 wurden im Rahmen eines Gaza-Waffenstillstandsabkommens rund 2 000 von ihnen freigelassen. 

Barghouti wurde in den 1990er Jahren in den Palästinensischen Legislativrat gewählt. Er galt als Befürworter des Friedensprozesses und wurde zu einer Schlüsselfigur der Zweiten Intifada. Er überlebte mindestens einen israelischen Attentatsversuch, wurde 2002 verhaftet und 2004 wegen Beteiligung an Anschlägen (fünf Tote) zu fünf lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt – Vorwürfe, die er stets bestreitet. 

Seit über einem Jahrzehnt darf er keine Medienkontakte haben; seit dem 7. Oktober (2023) wurde er wiederholt misshandelt und in Isolationshaft gehalten. Trotz seiner Haft führt Barghouti regelmässig die Umfragen zu hypothetischen Präsidentschaftswahlen Palästinas an – er gilt als einziger Politiker, der die zersplitterten Palästinenser (Fatah, Hamas etc.) einen könnte. 

Sein Sohn Arab Barghouti beschreibt die Qual der Ungewissheit während des Gaza-Waffenstillstands: Die Familie fürchtete, Marwan könnte in seiner Zelle getötet werden – gleichzeitig hoffte sie, er würde freikommen. Israel weigert sich jedoch, ihn freizulassen – im Gegensatz zu Hunderten anderen Lebenslänglichen, die gegen Geiseln getauscht wurden.

Nach Auffassung von Arab Barghouti betrachtet Israel seinen Vater nicht primär als Sicherheits-, sondern als politische Bedrohung. Seine Freilassung könnte die palästinensische Politik grundlegend verändern und zu einer einheitlichen Führung führen. 

Arab beschreibt seinen Vater als jemanden, der kompromisslos am Ende der israelischen Besatzung, der palästinensischen Freiheit und der Selbstbestimmung festhält. Er bleibe ein Befürworter der Zweistaatenlösung entlang der Grenzen von 1967 mit einem unabhängigen palästinensischen Staat neben Israel, habe aber auch bewaffneten Widerstand gegen die Besatzung unterstützt. Er gilt als flexibel hinsichtlich der Form der Lösung: Ob Ein- oder Zweistaatenmodell ist zweitrangig – entscheidend sind die Kernprinzipien wie Freiheit, das Ende der Besatzung und Gerechtigkeit für die Palästinenser. 

Arab betont, dass sein Vater der einzige Politiker sei, der die zersplitterten palästinensischen Fraktionen (einschließlich Fatah, Hamas und anderer) einen könnte – so wie ein «palästinensischer Nelson Mandela», dessen Freilassung die gesamte Freiheitsbewegung stärken würde.

Falls Marwan Barghouti freikäme, würde er laut Arab primär daran arbeiten, die palästinensische Einheit wiederherzustellen, eine starke, gemeinsame Führung aufzubauen und den Kampf für Freiheit und Ende der Besatzung voranzutreiben. Seine Freilassung würde nicht nur persönlich, sondern politisch transformierend wirken: Sie könnte die palästinensische Politik revitalisieren, Hoffnung geben und zu einer kohärenten nationalen Strategie führen. Israel sieht ihn genau deswegen als politische Bedrohung.

Insgesamt verkörpert Barghouti für seinen Sohn den «langen Weg» zur palästinensischen Freiheit – unerschütterlich, trotz Jahrzehnte langer Haft.

Der Podcast verbindet persönliche Familienerfahrungen mit breiterer Kritik am israelischen System der Masseninhaftierung. Barghoutis Freilassung würde nicht nur ihn, sondern die palästinensische Freiheitsbewegung insgesamt stärken. In Zeiten fehlender palästinensischer Führung (nach Abbas) und anhaltendem Konflikt unterstreicht die Episode die Sehnsucht nach Einheit und die Angst Israels vor einem starken, charismatischen Anführer.

Die Folge ist auf Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify und YouTube verfügbar und dauert ca. 45-60 Minuten (basierend auf ähnlichen Episoden).

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