Wer hier Achterbahn oder Karussell fahren will, muss selbst schieben, kurbeln, treten oder kräftig anpacken. Der Mann hinter diesem analogen Wunderland ist Bruno Ferrin – 89 Jahre alt, Autodidakt und seit fast sechs Jahrzehnten unermüdlicher Erfinder.

Alles begann 1969. Bruno und seine Frau Marisa eröffneten eine einfache Osteria: ein paar Holztische unter den Bäumen, Wein, gegrillte Würstchen.
Damit die Kinder der Gäste nicht gelangweilt herumsassen, baute Bruno erste Spielgeräte – eine Schaukel, eine Rutsche. Er hatte nur die fünfte Klasse absolviert, lernte das Schweissen und die Gesetze der Mechanik durch Ausprobieren und Beobachtung der Natur.
«Ein Ast fällt, ein Vogel fliegt, ein Stein rollt – daraus kommen die Ideen», sagt er. Jahr für Jahr kamen neue Attraktionen hinzu: Pendel, Bobbahnen, ein Riesenrad, ein Todes-Looping, bei dem man treten muss, und eine Achterbahn, die mit einem kleinen 7-PS-Motor hochgezogen wird und dann allein durch Schwerkraft rast.

Rund 40 bis 50 Fahrgeschäfte stehen heute auf dem Gelände – fast alle aus Recyclingmaterial, fast alle ohne Stromanschluss. Angetrieben werden sie von menschlicher Kraft, Schwung, Gewicht und Wind.
Der Eintritt ist kostenlos. Bezahlt wird nur Essen und Trinken in der Osteria. An Wochenenden kommen bis zu 3000 Besucher. Für Bruno geht es um weit mehr als Nostalgie oder Sparsamkeit.
«Der Spass ist grösser, wenn man sich anstrengt. In normalen Parks ist man passiv. Hier ist man aktiv», betont er.
In einer Zeit, in der viele Kinder vor Bildschirmen sitzen und auf Knöpfe tippen, will er einen Ort schaffen, an dem Generationen gemeinsam körperlich aktiv werden, lachen und sich anstrengen müssen. Grosseltern und Enkel schieben zusammen, Freunde treten im Takt.
Noch immer geht der 89-Jährige täglich in seine Werkstatt, schweisst, tüftelt und plant neue Ideen. Die Familie – Töchter und Enkel – hilft inzwischen mit, doch Bruno bleibt die treibende Kraft. Sein Lebenswerk zeigt, dass Kreativität, handwerkliches Geschick und die Freude am gemeinsamen Tun mehr bewirken können als jeder Stromanschluss. Ein stilles, quietschendes Plädoyer für analoges Leben mitten im digitalen Zeitalter.