
(Auszug aus einem Interview mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel
Bild: Sie warnen, der kommende Sommer könnte „der letzte Friedenssommer für uns Deutsche“ sein. Wie groß ist Ihre Angst vor einem Krieg hier in Europa, in dem auch deutsche Soldaten kämpfen müssten?
Sönke Neitzel: „Die ist schon groß. Wir sehen eine in Bewegung geratene sicherheitspolitische Weltlage durch Putin, durch Trump. Wir sehen die Ankündigung eines großen Manövers der Russen in Belarus. Wir sehen die sehr große Angst der baltischen Staaten, dass die Russen im Zuge dieses Manövers über die Grenze kommen. Und wir sehen, dass dann wahrscheinlich die Beistandsklausel der Nato zumindest für die USA nicht mehr greift, die Abschreckung ist geschwächt.
Die Schlussfolgerungen aus den letzten drei Jahren können nur sein: We have to be capable – wir müssen vorbereitet sein, müssen fähig sein. Alles, was wir im Bundestag besprochen haben – das ist keine Schattenboxerei, sondern es kann in einem schlimmsten Fall wirklich so kommen, dass die Nato sich fragt: Müssen wir nicht auch gegen Russland kämpfen?“
Ob ein solcher Krieg kommt, hängt davon ab, wie die Nato insgesamt reagiert, welche Rolle Trump spielt, welche Rolle die Europäer spielen, ob es einen Frieden gibt in der Ukraine, wie auch immer der aussieht. Denn: Ich glaube nicht, dass Putin einen solchen Schritt täte, solange er noch in der Ukraine kämpfen muss. Der Ausdruck ‚Letzter Sommer im Frieden‘ ist eben leider nichts völlig Irreales mehr, sondern es kann so kommen.