Eskalation im Nahost-Konflikt treibt Ölpreise auf Jahreshoch
Konzerne kassieren Rekordgewinne

Der offene Krieg zwischen USA, Israel und dem Iran hat die globalen Energiemärkte in Aufruhr versetzt. Seit den jüngsten Angriffen und Gegenschlägen Anfang März 2026 kletterte der Preis für die Nordseesorte Brent innerhalb weniger Tage um mehr als 15 Prozent und notierte am Freitag zeitweise bei über 84 US-Dollar je Barrel – der höchste Stand seit Anfang 2025. Experten warnen: Bei einer anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus droht ein Preissprung auf 100 Dollar oder mehr.

„Der Ölpreis ist auch ein sozialer Preis“, analysiert Jörn Boewe in der Wochenzeitung Freitag. „Er bestimmt, wer die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte trägt – und wer an ihnen verdient.“ Während Haushalte und energieintensive Industrien unter explodierenden Sprit-, Heizöl- und Stromkosten leiden, verbuchen große Energiekonzerne und LNG-Händler massive Gelegenheits-Profite. Aktuelle Berichte zeigen: Flüssiggas wird in Europa derzeit zu Preisen verkauft, die etwa doppelt so hoch liegen wie die tatsächlichen Beschaffungs- und Lieferkosten.

Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fließt, bleibt das zentrale Risiko. Iranische Drohungen mit Beschuss von Tankern und temporäre Störungen haben die Märkte bereits in Panik versetzt. Europa, das nach dem Ukraine-Krieg stark auf US- und Golf-LNG umgestellt hat, ist besonders verwundbar. Geopolitische Spannungen werden über Spotmärkte sofort in höhere Preise umgesetzt – ein Mechanismus, der Konzerne begünstigt, während Verbraucher die Last tragen.

Ökonomen wie Veronika Grimm sprechen von einem drohenden neuen „Energieschock“ für Deutschland. An Tankstellen und bei Heizölkunden sind die Folgen bereits spürbar: Benzin und Diesel zogen teilweise zweistellig an, Verbraucher reagieren teils panisch. Analysten rechnen bei längerer Eskalation mit einer Belastung des Wirtschaftswachstums und steigender Inflation.Trotz der Krise plant die OPEC+, die Förderung auszuweiten – ein Schritt, der die Volatilität jedoch kaum dämpfen dürfte, solange das Nadelöhr Hormus bedroht bleibt. Die aktuelle Energieordnung verstärkt Abhängigkeiten, statt sie abzubauen – und macht fossile Konzerne zu den eigentlichen Profiteuren des Krieges.