Der Supreme Court der Vereinigten Staaten hat im Januar 2026 ein Berufungsverfahren zugelassen, in dem der Bayer-Konzern (ehemals Monsanto) gegen ein hohes Schadenersatzurteil wegen des Unkrautvernichters Glyphosat vorgehen will. Das Unternehmen hofft auf eine Grundsatzentscheidung, die zehntausende weitere Klagen entscheidend beeinflussen könnte.
Hintergrund ist ein Urteil aus Missouri, das einem Kläger Millionen zugesprochen hatte: Monsanto hätte vor möglichen Krebsrisiken durch Glyphosat warnen müssen. Der Oberste Gerichtshof soll nun klären, ob einzelne Bundesstaaten solche Warnpflichten verlangen dürfen oder ob das bundesweite US-Recht Vorrang hat, das derzeit keine Krebswarnung vorschreibt.
Ein Sieg für Bayer könnte nach Einschätzung von Beobachtern viele der noch offenen rund 100.000 Glyphosat-Klagen erheblich schwächen oder zu Vergleichen drängen. Seit der Übernahme von Monsanto 2018 hat Bayer bereits über 10 Milliarden US-Dollar für Vergleiche und Urteile gezahlt und weitere 6 Milliarden zurückgestellt.Während Bayer und die US-Umweltbehörde EPA weiterhin betonen, Glyphosat sei bei bestimmungsgemäßer Anwendung nicht krebserregend, häufen sich kritische Stimmen: Eine im Sommer 2025 zurückgezogene Monsanto-nahe Studie von 2000 soll vom Konzern beeinflusst worden sein. Zudem verwies eine neue Langzeitstudie an Ratten (Juli 2025) auf „stichhaltige Beweise“ für eine krebserregende Wirkung.
In der EU bleibt Glyphosat vorerst bis 2033 zugelassen. Umweltverbände haben jedoch Klage gegen die Verlängerung 2023 eingereicht und werfen den Behörden selektive Bewertung und übermäßiges Vertrauen auf alte Industrie-Studien vor. Parallel plant die EU-Kommission ein Gesetzespaket, das die Zulassung vieler Pestizide – einschließlich Glyphosat – künftig unbefristet machen würde. Kritiker wie das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) sprechen von einem „massiven Abbau von Schutzstandards“ unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus.