Auf Einladung der Zeitung «Welt» aus dem Springer-Verlag spielten hochrangige Leute aus Politik, Militär, Wirtschaft und Thinktanks einen russischen Angriff auf Litauen durch. Sie stellten dabei auch den Bundeskanzler, den russischen Präsidenten und führendes politisches Personal aus verschiedenen EU-Ländern dar.
Das Kriegsspiel zeichnet ein düsteres Szenario für die Sicherheit Europas: In der Simulation überschreiten russische Truppen nach Provokationen und hybriden Angriffen die Grenze zu Litauen und besetzen einen strategischen Korridor nahe der Suwałki-Lücke – der einzigen Landverbindung zwischen den baltischen Staaten und dem restlichen NATO-Gebiet.
Das Ergebnis: Die Allianz reagiert zögerlich, Europa ringt um eine gemeinsame Linie, während die USA eine direkte militärische Beteiligung vermeiden.
Ausgangspunkt des Planspiels waren Desinformation, Cyberangriffe und politische Spannungen, die eine Krise auslösen. Russland nutzt den Vorwand eines «humanitären Konvois», um militärisch vorzurücken und Fakten zu schaffen, ohne sofort den NATO-Bündnisfall auszulösen.
Die europäischen Staaten versuchen, ihre Verteidigung zu koordinieren, doch Entscheidungen verlaufen langsam, nationale Interessen divergieren, und wichtige Fähigkeiten – etwa Luftverteidigung und Aufklärung – fehlen ohne amerikanische Unterstützung.
Besonders Deutschland stand im Fokus der Simulation. Berlin bereitete innenpolitisch Notfallmassnahmen vor, verstärkte die militärische Präsenz und verhängte wirtschaftliche Gegenmassnahmen, scheut jedoch eine eigenständige militärische Eskalation.
Gleichzeitig versuchte Moskau (in der Simulation), die transatlantische Einheit zu untergraben und Europa politisch zu spalten. Während die USA als Vermittler auftraten, lehnten sie neue Sanktionen oder die Aktivierung des NATO-Beistandsartikels ab.
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