Die Nato bereitet einen neuen Einsatzplan vor, der bei einem möglichen russischen Angriff an der Ostflanke nicht nur die Abwehr, sondern den «Sieg» über Russland vorsieht. General Alexus Grynkewich, Nato-Oberbefehlshaber und Chef des US-Europakommandos, soll das Konzept unter dem Namen «Theory of Victory» voraussichtlich am Montag in Warschau vorstellen.
Der Plan sieht vor, einen Einfall – etwa einen Überraschungsangriff im Baltikum – abzuwehren und zugleich mit Hightech-Systemen die Führungsfähigkeit der russischen Streitkräfte zu zerstören. Ein Nato-Sprecher erklärte, man müsse die Voraussetzungen schaffen, «um Aggressionen abzuschrecken und, falls nötig, im Falle eines Angriffs zu siegen». Das Bündnis bleibe rein defensiv und strebe keinen Konflikt an.
Beobachter sehen darin eine offensivere Haltung. Schon jetzt droht die Nato damit, Kaliningrad binnen weniger Tagen zu neutralisieren. Gleichzeitig beginnt am Freitag die Atomwaffen-Übung «Steadfast Noon». Gastgeber ist Italien; Deutschland nimmt im Rahmen der nuklearen Teilhabe erneut teil.
Kritiker warnen vor gefährlichen Anreizen und einer Eskalationsspirale. Russland sei die grösste Atommacht der Welt und dürfte sich nicht kampfunfähig machen lassen. Die neue Doktrin klinge, als warte die Nato nur auf einen Vorwand für einen «Enthauptungsschlag».