Nur die Unbewaffneten können entwaffnen
Beim Friedenstreffen in Assisi stellen sich Vertreter der Religionen gegen die Logik der Aufrüstung. Ihr Aufruf: Frieden braucht den Mut zur Begegnung
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Wer Frieden will, müsse sich auf den Krieg vorbereiten: Selten wird dieser alte Satz so bereitwillig nachgesprochen wie heute. In Assisi erhält er entschiedenen Widerspruch. «Wer sich auf den Krieg vorbereitet, führt ihn am Ende auch, und es sind immer die Armen, die dafür bezahlen», sagt Kardinal Fridolin Ambongo, Erzbischof von Kinshasa.

Vom 25. bis 27. Oktober versammelt die Gemeinschaft Sant’Egidio Religionsvertreter, Politiker und Kulturschaffende zum Treffen «Unbewaffneter und entwaffnender Frieden». Vierzig Jahre nach dem Weltgebetstreffen, zu dem Johannes Paul II. 1986 eingeladen hatte, wird Assisi erneut zum Ort einer Hoffnung, die sich mit der vermeintlichen Unvermeidlichkeit des Krieges nicht abfindet.

In 24 Foren geht es um Frieden, Abrüstung und das Zusammenleben. Kardinal Matteo Zuppi wendet sich gegen eine «grobe und ignorante Kultur der Macht», die Feinde braucht, um Gemeinschaft zu erzeugen. Gebet versteht er als Auflehnung gegen den Krieg und gegen jene Abstumpfung, die fremdes Leid zur Gewohnheit werden lässt. Sein Satz «Nur die Unbewaffneten können entwaffnen» stellt die herrschende Sicherheitslogik auf den Kopf.

Wie lebensnah diese Auseinandersetzung ist, zeigt Ambongos Blick auf den Kongo: Bodenschätze nähren dort den Krieg, statt die Kinder zu ernähren. Seine Forderung reicht weit über Afrika hinaus: Wer die Gegenseite vom Gespräch ausschliesst, führt keinen Dialog, sondern einen Monolog.

In Assisi sitzen ein schiitischer Geistlicher aus Nadschaf und ein sunnitischer Prediger aus Bagdad nebeneinander. Aus der Erfahrung konfessioneller Gewalt sprechen sie für eine Menschlichkeit, die keine Gruppe ausnimmt. Der muslimische Theologe Khalid Benhaddou erinnert daran, dass religiöse Führer auch dem Hass in den eigenen Gemeinschaften entgegentreten müssen.

Solche Begegnungen beenden noch keinen Krieg. Aber sie öffnen einen Raum, den die Aufrüstung immer enger macht: die Möglichkeit, im anderen wieder einen Menschen zu erkennen. Frieden beginnt auch dort, wo wir aufhören, einander für unversöhnlich zu halten.


Weitere Informationen: https://meetingsforpeace.santegidio.org/

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